Sven-Volker Rehm

Rückblick auf das 9. SynergyLab: Kybernetik in der Unternehmenssanierung

Am 20. Mai 2026 fand das 9. Online-Gespräch im Rahmen des SynergyLab – Forum für intelligente Organisation der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik e.V. statt. Mit 20 Teilnehmenden erreichte das Format wieder eine schöne Resonanz. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Dr. Werner Boysen zum Thema:

„Momente für kybernetische Überlegungen bei der Sanierung eines mittelständischen Automobilzulieferers“

Dr. Boysen stellte anhand eines konkreten Sanierungsprojekts bei der Carl Stahl Technical Webbings GmbH, einem Hersteller von Automotive-Sicherheitsgurtband mit Sitz in Herbrechtingen auf der Schwäbischen Alb, dar, wie kybernetisches und systemisches Denken in der Unternehmenspraxis wirksam werden kann. Das Unternehmen hatte er in den Jahren 2024/2025 in einem Restrukturierungs- und Transformationsprozess begleitet.

Kybernetik als praktische Führungs- und Denkdisziplin

Ein zentrales Anliegen des Vortrags war es, die verbreitete Annahme zu hinterfragen, Kybernetik sei vor allem eine abstrakte Wissenschaft ohne unmittelbaren Praxisbezug. Gerade in Restrukturierungs- und Transformationsprozessen, so wurde im Vortrag deutlich, zeigt sich der praktische Wert kybernetischer Perspektiven besonders klar: Viele Aktivitäten laufen parallel, bedingen sich gegenseitig, erzeugen Rückkopplungen und entfalten ihre Wirkungen oft zeitverzögert.

Dr. Boysen verdeutlichte, dass Unternehmenskrisen selten auf einzelne Ursachen zurückzuführen sind. Vielmehr entstehen sie häufig aus einem komplexen Zusammenspiel von Marktbedingungen, Eigentümerstrukturen, Finanzierungsfragen, Führungsverhalten, Kundenabhängigkeiten und organisationalen Routinen. Aus kybernetischer Sicht geht es daher nicht nur darum, einzelne Symptome zu behandeln, sondern die zugrunde liegenden Wirkungszusammenhänge zu erkennen.

Krisen als systemische Verflechtung

Im vorgestellten Fall wurde sichtbar, wie sich verschiedene Dynamiken gegenseitig verstärkten. Dazu gehörten unter anderem eine starke Abhängigkeit von einem Hauptkunden, eingeschränkte strategische Handlungsspielräume, eine blockierte Eigentümerstruktur sowie operative und finanzielle Belastungen. Diese Elemente wirkten nicht isoliert, sondern stabilisierten gemeinsam eine kritische Gesamtsituation.

Besonders anschaulich wurde, dass Organisationen in Krisen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kommunikativ und entscheidungsbezogen unter Druck geraten. Wenn Rückkopplungen fehlen, wenn strategischer Diskurs abbricht oder wenn Verantwortung zu stark zentralisiert wird, verliert eine Organisation zunehmend ihre Fähigkeit, sich selbst wirksam zu beobachten und anzupassen.

Feedback, Verantwortung und Handlungsspielräume

Ein wiederkehrendes Thema des Vortrags war die Bedeutung von Feedback. Stabilität entsteht in komplexen Organisationen nicht allein durch Kontrolle, Vorgaben oder Reporting, sondern durch lernfähige Rückkopplungsprozesse. Entscheidungen müssen auf ihre Wirkungen im Gesamtsystem hin beobachtet und angepasst werden können.

Damit verbunden war die Frage nach Verantwortung und Selbstorganisation. Dr. Boysen zeigte, dass in einer Sanierung nicht alles zentral gesteuert werden kann. Gerade wenn Führung zeitlich begrenzt, interimistisch oder unter hohem Druck erfolgt, müssen operative Verantwortung, Problemlösungskompetenz und Aufmerksamkeit für das Ganze breiter in der Organisation verteilt werden. Kybernetisch betrachtet entsteht Handlungsfähigkeit dort, wo relevante Informationen wahrgenommen, geteilt und in abgestimmtes Handeln übersetzt werden können.

Möglichkeiten erweitern statt nur Schäden begrenzen

Ein besonders prägnanter Gedanke des Vortrags war die Bezugnahme auf Heinz von Foersters Prinzip, so zu handeln, dass sich die Anzahl der Möglichkeiten erhöht. In einer Unternehmenskrise liegt der Fokus häufig auf Stabilisierung, Liquiditätssicherung und Risikobegrenzung. Der Vortrag zeigte jedoch, dass nachhaltige Sanierung auch bedeutet, neue Zukunftsoptionen aktiv zu erzeugen.

Im dargestellten Fall geschah dies unter anderem durch die Öffnung neuer Markt- und Kundenperspektiven. Damit wurde deutlich: Resilienz entsteht nicht nur durch Absicherung, sondern auch durch die Fähigkeit, neue Beziehungen, neue Sichtbarkeiten und neue Handlungsmöglichkeiten hervorzubringen.

Diskussion im SynergyLab

In der anschließenden Diskussion wurde die praktische Relevanz kybernetischer Ansätze von den Teilnehmenden breit aufgegriffen. Besonders hervorgehoben wurde, dass kybernetisches Denken in der Unternehmenspraxis häufig bereits wirksam ist, auch wenn es nicht ausdrücklich so bezeichnet wird. Begriffe wie Rückkopplung, Varietät, Abhängigkeit, Selbstorganisation, strategischer Diskurs und Resilienz erwiesen sich als hilfreiche Konzepte, um komplexe Transformationsprozesse besser zu verstehen.

Der Austausch machte zudem deutlich, dass Kybernetik für moderne Führungsfragen hochaktuell bleibt. In dynamischen Umwelten, unter Unsicherheit und bei hoher Stakeholder-Komplexität reicht lineares Planungs- und Steuerungsdenken nicht aus. Organisationen müssen vielmehr lernen, Wechselwirkungen zu erkennen, Rückmeldungen aufzunehmen, verschiedene Interessen zu moderieren und ihre eigenen Handlungsspielräume fortlaufend zu erweitern.

Fazit

Der Vortrag von Dr. Werner Boysen zeigte eindrucksvoll, dass Kybernetik keine theoretische Randdisziplin ist, sondern einen konkreten Orientierungsrahmen für Führung, Transformation und Unternehmenssanierung bieten kann. Gerade in Krisensituationen wird sichtbar, wie wichtig es ist, Organisationen als lebende soziale Systeme zu verstehen, die auf Rückkopplung, Anpassungsfähigkeit und koordinierte Verantwortung angewiesen sind.

Die GWS dankt Dr. Werner Boysen herzlich für den offenen und praxisnahen Einblick sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion. Der Abend hat erneut gezeigt, welches Potenzial im SynergyLab liegt: wissenschaftliche Konzepte, praktische Erfahrungen und gemeinsame Reflexion miteinander ins Gespräch zu bringen.

Das nächste SynergyLab wird am 17. Juni 2026 stattfinden. Weitere Informationen dazu finden Sie auf dieser Website.

Wiener-2001

Hermann Schmidt neu gelesen: Kybernetik zwischen Regelungstechnik und Philosophie

Rückblick auf das 8. SynergyLab vom 28. Januar 2026

Am 28. Januar 2026 fand das jüngste SynergyLab der GWS e.V. statt. Als Referent war Prof. Dr. Peter Trawny zu Gast, der in einem einführenden Vortrag das Werk Hermann Schmidts vorstellte – einer heute wenig bekannten, aber zentralen Figur der frühen Kybernetik in Deutschland. Insgesamt nahmen 25 Mitglieder und Gäste aus Wissenschaft und Praxis an der Online-Veranstaltung teil.

Von der Regelungstechnik zur Philosophie

Im Zentrum des Vortrags stand Schmidts intellektuelle Entwicklung: Ausgehend von ingenieurwissenschaftlichen Fragen der Regelungstechnik entwickelte Schmidt bereits ab den 1940er-Jahren einen erweiterten Begriff von Steuerung und Ordnung, der technische, gesellschaftliche und philosophische Dimensionen miteinander verband. Kybernetik erschien bei ihm nicht nur als technische Disziplin, sondern als umfassender Denkrahmen zur Beschreibung komplexer Systeme.

Prof. Trawny ordnete Schmidts Arbeiten historisch in die Diskussionen der 1950er- und 1960er-Jahre ein und zeigte, wie eng Schmidts Denken mit zeitgenössischen philosophischen Technikdebatten verknüpft war. Dabei wurde deutlich, dass Schmidt früh versuchte, technische Rationalität mit grundsätzlichen Fragen nach Sinn, Grenze und Verantwortung von Steuerung zu verbinden.

Zentrale Fragen der Diskussion

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, in der mehrere Themenstränge vertieft wurden. Ein wiederkehrender Punkt war das Spannungsverhältnis zwischen technischer Steuerbarkeit und gesellschaftlicher Offenheit. Diskutiert wurde, ob kybernetisches Denken eher zur Technokratisierung gesellschaftlicher Prozesse beiträgt – oder ob es im Gegenteil hilft, die Grenzen von Kontrolle und Planung sichtbar zu machen.

Ein weiterer Fokus lag auf dem Vergleich verschiedener kybernetischer Traditionen. Während angloamerikanische Ansätze häufig stärker formal und mathematisch ausgerichtet waren, wurde Schmidts Werk als besonders anschlussfähig an philosophische und kulturtheoretische Fragestellungen beschrieben. Diese besondere Position machte ihn für viele Teilnehmende zu einer spannenden Brückenfigur zwischen Ingenieurwissenschaft und Philosophie.

Aktualität kybernetischen Denkens

Mehrere Wortmeldungen stellten Bezüge zu aktuellen Entwicklungen her, etwa zu digitalen Plattformen, algorithmischen Entscheidungssystemen oder KI-gestützten Steuerungsmechanismen. Schmidts Überlegungen zur Regelung komplexer Systeme wurden dabei als erstaunlich vorausschauend wahrgenommen. Gerade vor dem Hintergrund heutiger Debatten um Automatisierung und künstliche Intelligenz zeigte sich, dass viele grundlegende Fragen bereits in der frühen Kybernetik angelegt waren.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass kybernetisches Denken heute oft nur implizit präsent ist. Begriffe wie Feedback, Selbstorganisation oder Systemstabilität werden selbstverständlich genutzt, ohne ihre theoretischen Ursprünge explizit zu reflektieren. Das SynergyLab machte sichtbar, welches Potenzial in einer bewussten Wiederaneignung dieser Tradition liegt.

Fazit

Das SynergyLab mit Prof. Peter Trawny zeigte, dass Hermann Schmidt weit mehr ist als eine historische Randfigur der Kybernetik. Sein Werk eröffnet Perspektiven auf Technik, Steuerung und Gesellschaft, die auch heute noch hoch relevant sind. Der Abend machte zugleich deutlich, dass kybernetisches Denken als reflexive Theorie komplexer Systeme neue Impulse für aktuelle Diskurse liefern kann – jenseits rein technischer Lösungslogiken.

Die GWS dankt Prof. Trawny herzlich für den anregenden Vortrag und allen Teilnehmenden für die intensive Diskussion. Weitere SynergyLabs sind bereits in Planung.

→ Hier geht’s zum SynergyLab.

Wiener-2001

Kennzahlen in vernetzten Systemen – Rückblick auf das 7. SynergyLab der GWS e.V.

Am 3. Dezember 2025 fand das 7. SynergyLab – Forum für intelligente Organisation – mit rund 20 Teilnehmenden statt. Im Mittelpunkt stand dieses Mal eine zentrale Frage moderner Organisationsgestaltung: Wie lassen sich Kennzahlen für komplexe, dynamische Systeme entwickeln?

Der Referent Dr. Marc Opitz präsentierte einen systemorientierten Ansatz, der Controlling, System Dynamics, Stakeholder-Analyse und Wissensnetzwerke miteinander verbindet. Ziel ist es, von isolierten Leistungskennzahlen zu einem ganzheitlichen, rückkopplungsorientierten Verständnis von Steuerungsgrößen zu gelangen.

Warum systemische Kennzahlen?

Organisationen stehen zunehmend in vernetzten Umwelten: Lieferketten, Wissensnetzwerke, Datenplattformen, gesellschaftliche und ökologische Systeme. Klassische KPI-Modelle greifen dabei oft zu kurz. Sie übersehen Nebenwirkungen, zeitverzögerte Effekte oder strukturelle Zusammenhänge.

Das SynergyLab zeigte, dass zukunftsfähige Kennzahlensysteme

  • Rückkopplungslogiken berücksichtigen müssen,
  • Bewertung statt bloßer Messung immaterieller Faktoren erlauben,
  • Strategieprozesse langfristig unterstützen,
  • und als Reflexionsinstrumente dienen – nicht als reine Kontrollmechanismen.

Diskussion: Von Wissensnetzwerken bis KI-basierter Analyse

Die Teilnehmenden brachten vielfältige Erfahrungen ein – von Wissensmanagement-Netzwerken über Prozessoptimierung bis hin zu ERP- und KI-Systemen. Einigkeit bestand darin, dass zu viele Kennzahlen eher schaden als nutzen. Priorisierung und strukturelle Reduktion seien unerlässlich.

Auch Tools wie Netmapping und das von GWS-Mitglied Dr. Werner Boysen entwickelte BoardRoom-Modell wurden diskutiert. Sie können helfen, komplexe Wirkungsketten sichtbar zu machen und strategische Entscheidungen zu unterstützen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf KI-basierten Auswertungen: Automatische KPI-Generierung kann nützlich sein, erfordert aber transparente Modelle, fundierte Validierung und den bewussten Umgang mit Bias.

Fazit

Das 7. SynergyLab machte deutlich, wie wichtig ein systemisches Verständnis von Kennzahlen für moderne Organisationen ist. Nicht die Anzahl der Messgrößen entscheidet, sondern ihre Einbettung in Lern- und Entscheidungsprozesse.

Mit diesem SynergyLab wurde erneut sichtbar, welchen Beitrag kybernetisches Denken für praktische Strategiearbeit leisten kann – als Brücke zwischen Analyse, Kommunikation und organisationalem Lernen.

Dies war das letzte SynergyLab im Jahr 2025. Neue Termine für 2026 stehen bereits fest – Informationen zum Programm folgen. Weitere Informationen zum SynergyLab finden Sie unter:
👉 https://synergylab.space

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6. SynergyLab der GWS e.V. – Zwei Wege zur Systemanalyse: Frederic Vester und System Dynamics

Am 29. Oktober 2025 fand das sechste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS e.V.) statt. Im Zentrum stand ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) unter dem Titel „Zwei Wege zur Systemanalyse – Frederic Vester und System Dynamics“. Die Diskussion wurde moderiert von Dr. Sven-Volker Rehm.

Prof. Größler stellte in seinem Vortrag die beiden prägenden Ansätze systemischer Analyse gegenüber – das kybernetische Denken Frederic Vesters und die System Dynamics-Methode nach Jay W. Forrester. Beide beruhen auf der Idee zirkulärer Kausalität, unterscheiden sich jedoch in Formalisierungsgrad, Anwendungsfokus und Zugang zur Verständigung über komplexe Systeme.

Vester zielte auf qualitative und anschauliche Zugänge zur Systembetrachtung ab. Seine Sensitivitätsmodelle fördern das gemeinsame Nachdenken über Zusammenhänge und Rückkopplungen – insbesondere in interdisziplinären Gruppen. System Dynamics hingegen bietet einen quantitativen, experimentellen Zugang, um Hypothesen über Systemverhalten zu prüfen und Politikmaßnahmen zu simulieren.

In der Diskussion zeigte sich, dass beide Ansätze komplementär sind. Vesters Methoden ermöglichen Verständigung und Beteiligung, System Dynamics vertieft die analytische Durchdringung. Zusammen können sie dazu beitragen, komplexe Probleme – von ökologischer Nachhaltigkeit bis zu organisatorischen Transformationsprozessen – zugleich verständlich, überprüfbar und kommunizierbar zu machen.

Das SynergyLab verdeutlichte damit, dass Kybernetik heute nicht nur historische Relevanz besitzt, sondern eine Vermittlungsdisziplin zwischen Wissenschaft, Praxis und Bildung bleibt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Vesters Vermächtnis, komplexe Systeme erfahrbar und diskussionsfähig zu machen, ist aktueller denn je.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Vesters und Forresters Ansätze verfolgen unterschiedliche, aber vereinbare Ziele: Lernen über Systemverhalten.
  • Systemdenken lebt von der Integration qualitativer und quantitativer Methoden.
  • Partizipation ist kein Beiwerk, sondern Teil der Modellbildung.
  • Vesters Sensitivitätsmodell eignet sich als Einstieg für komplexe Problemfelder in Bildung und Praxis.
  • Die Kombination beider Ansätze eröffnet Perspektiven für nachhaltige Entscheidungsprozesse.

Das nächste SynergyLab findet im Dezember 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Website und auf LinkedIn.

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Welche Werkzeuge helfen wirklich, komplexe Systeme zu verstehen?

💬 „Ein Modell ist nur so stark wie das Verständnis, das es ermöglicht.
– Dr. Kristjan Ambroz beim 5. SynergyLab der GWS e.V.

Beim 5. SynergyLab am 24. September 2025 stellte Dr. Kristjan Ambroz seinen kybernetischen Werkzeugkasten vor – von Model of Systemic Control über Causal Loop-Diagramme bis hin zu groß angelegten System Dynamics-Modellen. Gemeinsam diskutierten wir Chancen, Grenzen und praktische Erfahrungen aus der Anwendung in Unternehmen.

Die diskutierten Aspekte umfassten u.a.:

🧠 Methodenvielfalt zwischen einfacher Übersicht und komplexen Großmodellen
💬 Partizipation als Schlüssel – Integration schafft kollektives Verständnis, bleibt aber ressourcenintensiv
🌐 Verständlichkeit entscheidet über Vertrauen und Akzeptanz im Management
📊 Kleine Modelle für Kommunikation, große Modelle für Prognosen – beides notwendig

📅 Das nächste SynergyLab findet im Oktober 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

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Narrative, Feedback und Steuerung – Kybernetik trifft Politikgestaltung

Am 25. Juni 2025 fand das 3. SynergyLab der GWS e.V. statt – ein offenes Gesprächsformat für alle, die systemisches Denken, kollektive Intelligenz und kybernetische Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen vertiefen möchten. Dieses Mal war Adrian Brozek (KU Leuven) als Impulsgeber zu Gast.

Politik als komplexes System – eine kybernetische Betrachtung

Unter dem Titel „Krieg, Klima, Krankenhausreform – Eine kybernetische Betrachtung politischer Wirklichkeitskonstruktion“ eröffnete Adrian Brozek einen tiefgehenden Dialog über den Zusammenhang zwischen Narrativen, Rückkopplungseffekten und politischer Steuerung. Dabei rückte er die Frage ins Zentrum, wie sich Wirklichkeit in politischen Prozessen durch Sprache, Kommunikation und institutionelle Reaktionen konstruiert – und welche Rolle kybernetisches Denken dabei spielen kann.

Zentrale Erkenntnisse des Abends:

  • Narrative wirken nicht beiläufig, sondern strukturieren politische Realität.
  • Rückkopplung geschieht sozial: durch Meinungsbildung, Medien, Wahlergebnisse, Protest.
  • Komplexe Systeme lassen sich nicht linear steuern – es braucht reflexive, adaptive Formen der Governance.
  • Kybernetische Begriffe wie „Beobachtung zweiter Ordnung“ oder „Systemgrenze“ sind hilfreich, um politische Dynamiken mehrdimensional zu verstehen.
  • Politik ist auch Kommunikation über Handlung – wer welche Geschichten erzählt, hat Einfluss.
  • Die Grenzen von Systemen entstehen durch Diskurse, Machtverhältnisse und Wahrnehmungen.
  • Politische Steuerung muss mit Unsicherheit, Verzögerung und unvollständigem Feedback umgehen.
  • Policy-Making ist kein Umsetzungsplan, sondern ein kontinuierlicher, diskursiver Prozess.

Reger Austausch im offenen Format

In der Diskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Perspektiven auf politische Wirklichkeit sind – von der politischen Praxis über Governance-Forschung bis hin zur Systemtheorie. Die Teilnehmenden diskutierten Fragen wie:

  • Was kann Kybernetik zur Beobachtung politischer Diskurse beitragen?
  • Wie lassen sich narrative Rückkopplungseffekte empirisch untersuchen?
  • Inwieweit sind klassische Steuerungsbilder heute noch tragfähig?

Dabei zeigte sich: Die Kybernetik bietet keinen festen Werkzeugkasten, sondern ein reflexives Denkmodell für komplexe gesellschaftliche Prozesse – mit hohem Potenzial für interdisziplinäre Kooperation.

Mehr erfahren & mitgestalten

Die SynergyLabs der GWS sind offen für alle, die systemische Ansätze in Gesellschaft, Politik und Organisationen weiterdenken möchten.
📅 Das nächste Lab findet am 23. Juli 2025 statt – mit neuen Impulsen und wieder Raum für Austausch, Perspektiven und Querdenken.

Weitere Informationen und Kontakt:
🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

Bildnachweis: Gedenkstunde zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 2025: Übersicht des Plenarsaals während der Begrüßungsansprache von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, CDU/CSU, MdB. Ort: Reichstagsgebäude, Plenarsaal, Berlin / Deutschland. Aufgenommen: 08. May 2025, 12:39 Uhr. Bildnummer: 5025248. Fotograf/in: Thomas Köhler / photothek. Dieses Bild darf für private und kommerzielle nicht-werbliche Zwecke genutzt werden. Die Verwendung des Bildes in sozialen Medien ist gestattet.

Sven-Volker Rehm

Zielkonflikte in der Modellierung – Wie genau ist genau genug? Das 2. SynergyLab der GWS e.V.

13 Teilnehmende aus Wissenschaft, Beratung und Praxis diskutierten im Rahmen des GWS-SynergyLab am 30. April 2025 über zentrale Spannungsfelder in der dynamischen Modellierung von Organisationen. Ausgangspunkt war ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) mit dem Titel:
„Lieber nicht so genau und dafür relevant? Zielkonflikte der dynamischen Modellierung in Organisationen“

Relevanz schlägt Genauigkeit?

Prof. Größler stellte die These zur Diskussion, dass Modelle nicht zwangsläufig „richtig“ sein müssen, um nützlich zu sein. Organisationale Modelle, etwa im Bereich strategischer Planung oder Policy Design, müssen oft komplexe Zusammenhänge verständlich machen – nicht bis ins letzte Detail abbilden. Dies führt zu einem grundlegenden Zielkonflikt:
Wie genau darf ein Modell sein, bevor es zu unverständlich wird – und wie ungenau darf es sein, um noch als relevant zu gelten?

Kernthemen der Diskussion

In der anschließenden offenen Gesprächsrunde wurden zahlreiche Aspekte aufgegriffen – aus methodischer, praktischer und erkenntnistheoretischer Sicht:

  • 🔄 Zielkonflikte: Modelle müssen für Entscheidungen relevant sein, aber auch nachvollziehbar bleiben. Zu viel Präzision kann abschrecken.
  • 🧠 Lernen statt Vorhersagen: Simulationen entfalten ihren größten Wert, wenn sie Verständnis fördern, nicht wenn sie exakte Prognosen liefern.
  • 👥 Beteiligung und Akzeptanz: Modellnutzung hängt stark davon ab, ob Stakeholder im Erstellungsprozess einbezogen wurden.
  • 🧩 Komplexitätsreduktion: Modelle sind immer Vereinfachungen. Die Kunst liegt darin, das Relevante zu erfassen und das Irritierende wegzulassen.
  • 🧾 Validität neu denken: Ein Modell kann auch dann nützlich sein, wenn es nicht vollständig datengestützt ist – solange es plausibel, transparent und anschlussfähig ist.

Warum dieses Gespräch wertvoll war

Die GWS versteht das SynergyLab als Denkraum: Hier treffen Menschen zusammen, die systemisches Denken nicht nur anwenden, sondern auch hinterfragen und weiterentwickeln wollen. Diese Veranstaltung zeigte eindrucksvoll:

  • wie stark Theorie und Praxis voneinander profitieren können,
  • wie produktiv das Ringen um Verständlichkeit und Wirkung ist,
  • und wie wichtig es ist, gemeinsam mit Unsicherheiten umzugehen, statt sie zu verstecken.

Interesse geweckt?

Das Thema bleibt aktuell – in der Wissenschaft, in der digitalen Transformation und in der Gestaltung von Organisationen und Politik.
📧 Kontakt: office@gws-kybernetik.org
🔗 Weitere Veranstaltungen unter: gws-kybernetik.org und synergylab.space

Wiener-2001

Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt

Am 26. März 2025 fand das erste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS) e.V. statt. Mit diesem offenen Format schafft die GWS einen Raum für Reflexion, Dialog und systemisches Denken – interdisziplinär, praxisnah und diskursiv. Den Auftakt machte Dr. Sven-V. Rehm (CAIR Institute / WHU) mit einem Impuls über den systemtheoretischen Umgang mit dem Begriff der „Intelligenz“.

Intelligenz jenseits der Messbarkeit

Der Vortrag mit dem Titel „Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt“ warf einen kritischen Blick auf populäre Vorstellungen von Intelligenz – und darauf, wie kybernetische und systemische Ansätze eine differenziertere Perspektive ermöglichen. Statt Intelligenz als messbare Eigenschaft zu betrachten, wurde sie als dynamische Architektur von Mechanismen verstanden, die in sozialen, technischen oder biologischen Systemen wirksam werden.

Zentrale Denkimpulse:

  • Intelligenz ist kein „messbarer“ Stoff wie Masse – sondern eine Metapher für emergentes Verhalten.
  • Kybernetische Perspektiven begreifen Intelligenz als das Zusammenspiel von Mechanismen, nicht als monolithische Fähigkeit.
  • Anregungen von Minsky („Society of Mind“), Simon („Symbolsysteme“) und Friston („Active Inference“) zeigen, wie unterschiedliche Begriffsarchitekturen zu verschiedenen Verständnissen führen.
  • Intelligenz ist in der Kybernetik nicht unbedingt intentional, sondern kann sich auch aus Selbstorganisation und Rückkopplung ergeben.
  • Die Frage „Wie ermöglichen wir intelligentes Verhalten?“ ist systemisch zu beantworten – durch Gestaltung von Kommunikation, Koordination, Konsens und Gestaltung.

Auftakt zu einem neuen Format

Das erste SynergyLab wurde von den Teilnehmenden als inspirierender Einstieg in die neue Veranstaltungsreihe erlebt. Die Diskussion zeigte: Die Begriffe „Intelligenz“, „System“ und „Gestaltung“ müssen heute neu gedacht werden, wenn wir gesellschaftliche und technologische Entwicklungen verstehen und gestalten wollen.

Mehr erfahren & mitdenken

Die SynergyLabs bieten Impulsvorträge und offene Diskussionen rund um systemisches Denken, kollektive Intelligenz, Governance und digitale Transformation.
📅 Das nächste Lab findet am 30. April 2025 statt – mit neuen Perspektiven und wieder offenem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Weitere Informationen und Kontakt:

🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

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