Wiener-2001

Rückblick: Frederic Vester heute – Sensitivitätsmodell im Dialog

Das GWS-Online-Event „Frederic Vester heute“ brachte 32 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um die Aktualität und Weiterentwicklung von Vesters systemischem Denken zu diskutieren.

Im Zentrum stand das Sensitivitätsmodell als methodischer Zugang zur Analyse komplexer Systeme. In ihrer Keynote zeigte Gabriele Harrer-Puchner eindrücklich, wie das Modell in verschiedenen Anwendungsfeldern – insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit und Transformation – praktisch eingesetzt wird und welche Stärken es in der Strukturierung komplexer Zusammenhänge entfaltet.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Vesters Ansatz weiterhin eine wichtige Orientierungsfunktion erfüllt, zugleich aber auch Fragen nach methodischer Weiterentwicklung, empirischer Fundierung und Integration mit neueren Ansätzen (z. B. System Dynamics, simulationsbasierte Modelle) aufwirft. Die Beiträge von Thomas Göllinger, Falko Wilms und Andreas Größler erweiterten diese Perspektive um aktuelle theoretische und methodische Überlegungen.

Deutlich wurde insgesamt, dass das Sensitivitätsmodell weniger als abgeschlossenes Instrument zu verstehen ist, sondern als offene, anschlussfähige Denk- und Arbeitsweise, deren Potenzial insbesondere im Zusammenspiel mit heutigen Methoden liegt und die eine reflektierte Einbettung in konkrete Problemkontexte erfordert.

Das Event hat gezeigt, dass systemisches Denken im Sinne Vesters nichts an Relevanz verloren hat – im Gegenteil: Es bietet weiterhin eine tragfähige Grundlage, um mit der wachsenden Komplexität heutiger Entscheidungs- und Transformationsprozesse umzugehen.

Ein nächster Anlass zur Vertiefung systemischer und kybernetischer Perspektiven bietet sich bereits im Herbst: Am 24. September 2026 ist an der Universität Stuttgart ein Symposium anlässlich des 100. Geburtstages des Management-Kybernetikers Stafford Beer geplant.

Über weitere Veranstaltungen und Entwicklungen rund um systemisches Denken und Kybernetik halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

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Rückblick: Online-Event „100 Jahre Frederic Vester – Denken in vernetzten Wirkungsgefügen“

Am 28. November 2025 fand das GWS-Event zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Frederic Vester (1925–2003) statt. Rund 20 Teilnehmende – zur Hälfte Mitglieder der GWS und zur Hälfte externe Interessierte – nahmen an dieser Online-Veranstaltung teil, die dem Werk und der Aktualität dieses prägenden Systemdenkers gewidmet war.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der GWS, Dr. Sven-V. Rehm, der die GWS als Forum für systemisches und kybernetisches Denken vorstellte, eröffnete Prof. Dr. Thomas Göllinger (HTWG Konstanz) den Nachmittag mit einem Impulsvortrag zu Vesters Lebensweg und seinem Beitrag zur biologischen Kybernetik, zu Nachhaltigkeit und zu frühen Formen systemwissenschaftlicher Bildung. Er erinnerte an Vesters Rolle als Wissenschaftler, Filmemacher und Autor sowie an seine Pionierarbeit mit dem SBU-Institut in München .

Anschließend zeigte Prof. Dr. Falko Wilms (FHV Vorarlberg) die Bedeutung von Vesters Ansätzen für Entscheidungsprozesse in komplexen Situationen. Er erläuterte zentrale Elemente des Sensitivitätsmodells – von der Variablenliste bis zur Einflussmatrix – und diskutierte Optionen, dieses Modell stärker auf Maßnahmenentwicklung auszurichten und bei Bedarf auch ohne Simulation nutzbar zu machen.

In einer kurzen interaktiven Umfrage zeigte sich, dass zwar über 80% der Teilnehmenden vernetztes Denken als wichtigsten Bezugspunkt zu Vester sehen, während etwa ein Fünftel angaben, ihm bislang kaum begegnet zu sein. Anschließend stellte Thomas Göllinger den neuen Jubiläumsband „Systemisch-vernetztes Denken und Sustainability-Transformation“ (Springer, 2025) vor.

Die abschließende Diskussion thematisierte unter anderem die Rolle systemischen Denkens in der Bildung, die Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie Grenzen und Potenziale partizipativer Modellierungsprozesse. Beiträge von Prof. Dr. Schwaninger (Univ. St. Gallen) und weiteren Teilnehmenden hoben hervor, dass systemisches Denken eine Haltung sei, die weit über technische Werkzeuge hinausreiche und gerade in Transformationskontexten wichtige Orientierung biete .

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Thomas Göllinger und Prof. Dr. Falko Wilms für ihre Impulsvorträge und Beiträge sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Interesse, ihre Fragen und die anregende Diskussion. Die Vielfalt der Perspektiven hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig und relevant Vesters Denken auch heute noch ist.

Wir laden Sie schon jetzt herzlich ein, auch beim Folge-Event im Frühjahr 2026 dabei zu sein, in dem wir die Anwendung und Weiterentwicklung des Sensitivitätsmodells in Forschung und Praxis weiter vertiefen werden.
Weitere Informationen folgen in Kürze auf dieser Website und über unsere LinkedIn-Kanäle.

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6. SynergyLab der GWS e.V. – Zwei Wege zur Systemanalyse: Frederic Vester und System Dynamics

Am 29. Oktober 2025 fand das sechste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS e.V.) statt. Im Zentrum stand ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) unter dem Titel „Zwei Wege zur Systemanalyse – Frederic Vester und System Dynamics“. Die Diskussion wurde moderiert von Dr. Sven-Volker Rehm.

Prof. Größler stellte in seinem Vortrag die beiden prägenden Ansätze systemischer Analyse gegenüber – das kybernetische Denken Frederic Vesters und die System Dynamics-Methode nach Jay W. Forrester. Beide beruhen auf der Idee zirkulärer Kausalität, unterscheiden sich jedoch in Formalisierungsgrad, Anwendungsfokus und Zugang zur Verständigung über komplexe Systeme.

Vester zielte auf qualitative und anschauliche Zugänge zur Systembetrachtung ab. Seine Sensitivitätsmodelle fördern das gemeinsame Nachdenken über Zusammenhänge und Rückkopplungen – insbesondere in interdisziplinären Gruppen. System Dynamics hingegen bietet einen quantitativen, experimentellen Zugang, um Hypothesen über Systemverhalten zu prüfen und Politikmaßnahmen zu simulieren.

In der Diskussion zeigte sich, dass beide Ansätze komplementär sind. Vesters Methoden ermöglichen Verständigung und Beteiligung, System Dynamics vertieft die analytische Durchdringung. Zusammen können sie dazu beitragen, komplexe Probleme – von ökologischer Nachhaltigkeit bis zu organisatorischen Transformationsprozessen – zugleich verständlich, überprüfbar und kommunizierbar zu machen.

Das SynergyLab verdeutlichte damit, dass Kybernetik heute nicht nur historische Relevanz besitzt, sondern eine Vermittlungsdisziplin zwischen Wissenschaft, Praxis und Bildung bleibt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Vesters Vermächtnis, komplexe Systeme erfahrbar und diskussionsfähig zu machen, ist aktueller denn je.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Vesters und Forresters Ansätze verfolgen unterschiedliche, aber vereinbare Ziele: Lernen über Systemverhalten.
  • Systemdenken lebt von der Integration qualitativer und quantitativer Methoden.
  • Partizipation ist kein Beiwerk, sondern Teil der Modellbildung.
  • Vesters Sensitivitätsmodell eignet sich als Einstieg für komplexe Problemfelder in Bildung und Praxis.
  • Die Kombination beider Ansätze eröffnet Perspektiven für nachhaltige Entscheidungsprozesse.

Das nächste SynergyLab findet im Dezember 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Website und auf LinkedIn.

Weitere Informationen und Kontakt:
🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

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