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Hermann Schmidt neu gelesen: Kybernetik zwischen Regelungstechnik und Philosophie

Rückblick auf das 8. SynergyLab vom 28. Januar 2026

Am 28. Januar 2026 fand das jüngste SynergyLab der GWS e.V. statt. Als Referent war Prof. Dr. Peter Trawny zu Gast, der in einem einführenden Vortrag das Werk Hermann Schmidts vorstellte – einer heute wenig bekannten, aber zentralen Figur der frühen Kybernetik in Deutschland. Insgesamt nahmen 25 Mitglieder und Gäste aus Wissenschaft und Praxis an der Online-Veranstaltung teil.

Von der Regelungstechnik zur Philosophie

Im Zentrum des Vortrags stand Schmidts intellektuelle Entwicklung: Ausgehend von ingenieurwissenschaftlichen Fragen der Regelungstechnik entwickelte Schmidt bereits ab den 1940er-Jahren einen erweiterten Begriff von Steuerung und Ordnung, der technische, gesellschaftliche und philosophische Dimensionen miteinander verband. Kybernetik erschien bei ihm nicht nur als technische Disziplin, sondern als umfassender Denkrahmen zur Beschreibung komplexer Systeme.

Prof. Trawny ordnete Schmidts Arbeiten historisch in die Diskussionen der 1950er- und 1960er-Jahre ein und zeigte, wie eng Schmidts Denken mit zeitgenössischen philosophischen Technikdebatten verknüpft war. Dabei wurde deutlich, dass Schmidt früh versuchte, technische Rationalität mit grundsätzlichen Fragen nach Sinn, Grenze und Verantwortung von Steuerung zu verbinden.

Zentrale Fragen der Diskussion

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, in der mehrere Themenstränge vertieft wurden. Ein wiederkehrender Punkt war das Spannungsverhältnis zwischen technischer Steuerbarkeit und gesellschaftlicher Offenheit. Diskutiert wurde, ob kybernetisches Denken eher zur Technokratisierung gesellschaftlicher Prozesse beiträgt – oder ob es im Gegenteil hilft, die Grenzen von Kontrolle und Planung sichtbar zu machen.

Ein weiterer Fokus lag auf dem Vergleich verschiedener kybernetischer Traditionen. Während angloamerikanische Ansätze häufig stärker formal und mathematisch ausgerichtet waren, wurde Schmidts Werk als besonders anschlussfähig an philosophische und kulturtheoretische Fragestellungen beschrieben. Diese besondere Position machte ihn für viele Teilnehmende zu einer spannenden Brückenfigur zwischen Ingenieurwissenschaft und Philosophie.

Aktualität kybernetischen Denkens

Mehrere Wortmeldungen stellten Bezüge zu aktuellen Entwicklungen her, etwa zu digitalen Plattformen, algorithmischen Entscheidungssystemen oder KI-gestützten Steuerungsmechanismen. Schmidts Überlegungen zur Regelung komplexer Systeme wurden dabei als erstaunlich vorausschauend wahrgenommen. Gerade vor dem Hintergrund heutiger Debatten um Automatisierung und künstliche Intelligenz zeigte sich, dass viele grundlegende Fragen bereits in der frühen Kybernetik angelegt waren.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass kybernetisches Denken heute oft nur implizit präsent ist. Begriffe wie Feedback, Selbstorganisation oder Systemstabilität werden selbstverständlich genutzt, ohne ihre theoretischen Ursprünge explizit zu reflektieren. Das SynergyLab machte sichtbar, welches Potenzial in einer bewussten Wiederaneignung dieser Tradition liegt.

Fazit

Das SynergyLab mit Prof. Peter Trawny zeigte, dass Hermann Schmidt weit mehr ist als eine historische Randfigur der Kybernetik. Sein Werk eröffnet Perspektiven auf Technik, Steuerung und Gesellschaft, die auch heute noch hoch relevant sind. Der Abend machte zugleich deutlich, dass kybernetisches Denken als reflexive Theorie komplexer Systeme neue Impulse für aktuelle Diskurse liefern kann – jenseits rein technischer Lösungslogiken.

Die GWS dankt Prof. Trawny herzlich für den anregenden Vortrag und allen Teilnehmenden für die intensive Diskussion. Weitere SynergyLabs sind bereits in Planung.

→ Hier geht’s zum SynergyLab.

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Neue Veröffentlichung in MIS Quarterly Executive: Kybernetische Perspektiven auf kollektive Intelligenz in Digitalen Plattform-Ökosystemen

Wir freuen uns, auf eine neue Veröffentlichung unseres Vorstandsmitglieds Dr. Sven-Volker Rehm in der renommierten Zeitschrift MIS Quarterly Executive hinzuweisen:
📝 „Turning Tacit Knowledge into Dynamic Strategies Through Collective Inferencing“
Zum Artikel (open access)

Die im Artikel vorgestellte Methode des Collective Inferencing (CI) ist mehr als nur ein neues Werkzeug zur datenbasierten Strategieentwicklung in digitalen Plattformökosystemen – sie steht exemplarisch für einen modernen, kybernetischen Zugang zur Organisationsgestaltung.

Im Zentrum der Methode steht die Frage: Wie kann in komplexen, verteilten sozialen Systemen kollektives Wissen so strukturiert werden, dass daraus handlungsfähige, adaptive Entscheidungsstrategien entstehen?
Die Antwort liegt in einem mehrstufigen Verfahren, das qualitative Aussagen, Erfahrungswissen und implizite Schlussfolgerungen („tacit knowledge“) systematisch extrahiert, analysiert und modelliert. Dabei kommt eine generative KI nur zur Unterstützung der semantischen Rekonstruktion zum Einsatz – die Steuerung des Modells bleibt in menschlicher Hand. Es entsteht ein dynamisches Entscheidungsmodell, das Rückkopplungen, Pfadabhängigkeiten und multiple Perspektiven integriert.

Aus kybernetischer Sicht eröffnet die Methode einen wichtigen Weg, um in dynamischen Umwelten (sog. „adaptive landscapes“) die Viabilität von Organisationen zu sichern:

  • Sie fördert die strukturelle Kopplung von Teilperspektiven durch modulare Repräsentation von Entscheidungsfeldern.
  • Sie operationalisiert Ashbys Law of Requisite Variety durch die explizite Erfassung von Entscheidungskomplexität.
  • Sie unterstützt rekursive Lern- und Steuerungsprozesse durch die Simulation möglicher Strategien in kollektiven Entscheidungskontexten.

Das Fallbeispiel im Artikel bezieht sich auf die cplace-Plattform und ihr Ökosystem, das von der collaboration Factory GmbH in München aufgebaut wurde. Die dort gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wie aus heterogenem Erfahrungswissen konkrete Handlungsoptionen für Governance, Innovation und Plattformentwicklung abgeleitet werden können.

Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik e.V. gratuliert herzlich zur Publikation und lädt zur Diskussion über das Potenzial solcher Ansätze für moderne Steuerungsmodelle ein.

📌 Kontakt und Austausch jederzeit willkommen – ob zur Methode, zur Anwendung oder zur Weiterentwicklung im Sinne kybernetischen Denkens!

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Kennzahlen in vernetzten Systemen – Rückblick auf das 7. SynergyLab der GWS e.V.

Am 3. Dezember 2025 fand das 7. SynergyLab – Forum für intelligente Organisation – mit rund 20 Teilnehmenden statt. Im Mittelpunkt stand dieses Mal eine zentrale Frage moderner Organisationsgestaltung: Wie lassen sich Kennzahlen für komplexe, dynamische Systeme entwickeln?

Der Referent Dr. Marc Opitz präsentierte einen systemorientierten Ansatz, der Controlling, System Dynamics, Stakeholder-Analyse und Wissensnetzwerke miteinander verbindet. Ziel ist es, von isolierten Leistungskennzahlen zu einem ganzheitlichen, rückkopplungsorientierten Verständnis von Steuerungsgrößen zu gelangen.

Warum systemische Kennzahlen?

Organisationen stehen zunehmend in vernetzten Umwelten: Lieferketten, Wissensnetzwerke, Datenplattformen, gesellschaftliche und ökologische Systeme. Klassische KPI-Modelle greifen dabei oft zu kurz. Sie übersehen Nebenwirkungen, zeitverzögerte Effekte oder strukturelle Zusammenhänge.

Das SynergyLab zeigte, dass zukunftsfähige Kennzahlensysteme

  • Rückkopplungslogiken berücksichtigen müssen,
  • Bewertung statt bloßer Messung immaterieller Faktoren erlauben,
  • Strategieprozesse langfristig unterstützen,
  • und als Reflexionsinstrumente dienen – nicht als reine Kontrollmechanismen.

Diskussion: Von Wissensnetzwerken bis KI-basierter Analyse

Die Teilnehmenden brachten vielfältige Erfahrungen ein – von Wissensmanagement-Netzwerken über Prozessoptimierung bis hin zu ERP- und KI-Systemen. Einigkeit bestand darin, dass zu viele Kennzahlen eher schaden als nutzen. Priorisierung und strukturelle Reduktion seien unerlässlich.

Auch Tools wie Netmapping und das von GWS-Mitglied Dr. Werner Boysen entwickelte BoardRoom-Modell wurden diskutiert. Sie können helfen, komplexe Wirkungsketten sichtbar zu machen und strategische Entscheidungen zu unterstützen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf KI-basierten Auswertungen: Automatische KPI-Generierung kann nützlich sein, erfordert aber transparente Modelle, fundierte Validierung und den bewussten Umgang mit Bias.

Fazit

Das 7. SynergyLab machte deutlich, wie wichtig ein systemisches Verständnis von Kennzahlen für moderne Organisationen ist. Nicht die Anzahl der Messgrößen entscheidet, sondern ihre Einbettung in Lern- und Entscheidungsprozesse.

Mit diesem SynergyLab wurde erneut sichtbar, welchen Beitrag kybernetisches Denken für praktische Strategiearbeit leisten kann – als Brücke zwischen Analyse, Kommunikation und organisationalem Lernen.

Dies war das letzte SynergyLab im Jahr 2025. Neue Termine für 2026 stehen bereits fest – Informationen zum Programm folgen. Weitere Informationen zum SynergyLab finden Sie unter:
👉 https://synergylab.space

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Rückblick: Online-Event „100 Jahre Frederic Vester – Denken in vernetzten Wirkungsgefügen“

Am 28. November 2025 fand das GWS-Event zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Frederic Vester (1925–2003) statt. Rund 20 Teilnehmende – zur Hälfte Mitglieder der GWS und zur Hälfte externe Interessierte – nahmen an dieser Online-Veranstaltung teil, die dem Werk und der Aktualität dieses prägenden Systemdenkers gewidmet war.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der GWS, Dr. Sven-V. Rehm, der die GWS als Forum für systemisches und kybernetisches Denken vorstellte, eröffnete Prof. Dr. Thomas Göllinger (HTWG Konstanz) den Nachmittag mit einem Impulsvortrag zu Vesters Lebensweg und seinem Beitrag zur biologischen Kybernetik, zu Nachhaltigkeit und zu frühen Formen systemwissenschaftlicher Bildung. Er erinnerte an Vesters Rolle als Wissenschaftler, Filmemacher und Autor sowie an seine Pionierarbeit mit dem SBU-Institut in München .

Anschließend zeigte Prof. Dr. Falko Wilms (FHV Vorarlberg) die Bedeutung von Vesters Ansätzen für Entscheidungsprozesse in komplexen Situationen. Er erläuterte zentrale Elemente des Sensitivitätsmodells – von der Variablenliste bis zur Einflussmatrix – und diskutierte Optionen, dieses Modell stärker auf Maßnahmenentwicklung auszurichten und bei Bedarf auch ohne Simulation nutzbar zu machen.

In einer kurzen interaktiven Umfrage zeigte sich, dass zwar über 80% der Teilnehmenden vernetztes Denken als wichtigsten Bezugspunkt zu Vester sehen, während etwa ein Fünftel angaben, ihm bislang kaum begegnet zu sein. Anschließend stellte Thomas Göllinger den neuen Jubiläumsband „Systemisch-vernetztes Denken und Sustainability-Transformation“ (Springer, 2025) vor.

Die abschließende Diskussion thematisierte unter anderem die Rolle systemischen Denkens in der Bildung, die Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie Grenzen und Potenziale partizipativer Modellierungsprozesse. Beiträge von Prof. Dr. Schwaninger (Univ. St. Gallen) und weiteren Teilnehmenden hoben hervor, dass systemisches Denken eine Haltung sei, die weit über technische Werkzeuge hinausreiche und gerade in Transformationskontexten wichtige Orientierung biete .

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Thomas Göllinger und Prof. Dr. Falko Wilms für ihre Impulsvorträge und Beiträge sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Interesse, ihre Fragen und die anregende Diskussion. Die Vielfalt der Perspektiven hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig und relevant Vesters Denken auch heute noch ist.

Wir laden Sie schon jetzt herzlich ein, auch beim Folge-Event im Frühjahr 2026 dabei zu sein, in dem wir die Anwendung und Weiterentwicklung des Sensitivitätsmodells in Forschung und Praxis weiter vertiefen werden.
Weitere Informationen folgen in Kürze auf dieser Website und über unsere LinkedIn-Kanäle.

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Automat und Existenz – Schriften zur Kybernetik von Hermann Schmidt

Automat und Existenz – Schriften zur Kybernetik von Hermann Schmidt
Herausgegeben und mit einem Vorwort von Peter Trawny (Klostermann Verlag, 2025)

Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS) e.V. freut sich, die Publikation des Buches Automat und Existenz. Schriften zur Kybernetik von Hermann Schmidt, herausgegeben und kommentiert von Prof. Dr. Peter Trawny (Leiter des Martin-Heidegger-Instituts, Universität Wuppertal), unterstützen zu dürfen.

Neben der GWS haben auch die Mitglieder Dr. Christoph von Mühlendahl und Dr.-Ing. Sven-Volker Rehm die Veröffentlichung durch ihre Beiträge ermöglicht.

Das Buch bringt erstmals die zentralen Texte Hermann Schmidts zusammen – eines der prägenden Denker der Kybernetik im deutschsprachigen Raum, der unabhängig von Norbert Wiener in den 1940er-Jahren in Berlin die „Regelungstechnik“ begründete. Schmidts Denken schlägt dabei eine Brücke zwischen Ingenieurswissenschaft, Philosophie und Anthropologie und eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Technik und Existenz.

Im Vorwort hebt Herausgeber Peter Trawny hervor, dass Schmidts Reflexionen über den „Automaten“ und den „Regelkreis“ heute wieder an Aktualität gewinnen – gerade angesichts des Aufstiegs selbstlernender, KI-gestützter Systeme. Schmidts Frage nach der „universellen menschlichen Selbstbesinnung“ in einer technisierten Welt erhält so eine neue Dringlichkeit.

👉 Die GWS gratuliert Prof. Trawny herzlich zur Veröffentlichung und legt das Buch allen ans Herz, die sich für die Wurzeln und Weiterentwicklungen kybernetischen Denkens interessieren – an der Schnittstelle von Technik, Philosophie und Gesellschaft.

📘 Publikation:
Hermann Schmidt: Automat und Existenz. Schriften zur Kybernetik.
Hrsg. und mit einem Vorwort von Peter Trawny.
Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag 2025, 128 S., ISBN 978-3-465-04719-3, Klostermann Rote Reihe 163.

Eine Leseprobe ist auf der Verlagswebseite abrufbar.

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6. SynergyLab der GWS e.V. – Zwei Wege zur Systemanalyse: Frederic Vester und System Dynamics

Am 29. Oktober 2025 fand das sechste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS e.V.) statt. Im Zentrum stand ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) unter dem Titel „Zwei Wege zur Systemanalyse – Frederic Vester und System Dynamics“. Die Diskussion wurde moderiert von Dr. Sven-Volker Rehm.

Prof. Größler stellte in seinem Vortrag die beiden prägenden Ansätze systemischer Analyse gegenüber – das kybernetische Denken Frederic Vesters und die System Dynamics-Methode nach Jay W. Forrester. Beide beruhen auf der Idee zirkulärer Kausalität, unterscheiden sich jedoch in Formalisierungsgrad, Anwendungsfokus und Zugang zur Verständigung über komplexe Systeme.

Vester zielte auf qualitative und anschauliche Zugänge zur Systembetrachtung ab. Seine Sensitivitätsmodelle fördern das gemeinsame Nachdenken über Zusammenhänge und Rückkopplungen – insbesondere in interdisziplinären Gruppen. System Dynamics hingegen bietet einen quantitativen, experimentellen Zugang, um Hypothesen über Systemverhalten zu prüfen und Politikmaßnahmen zu simulieren.

In der Diskussion zeigte sich, dass beide Ansätze komplementär sind. Vesters Methoden ermöglichen Verständigung und Beteiligung, System Dynamics vertieft die analytische Durchdringung. Zusammen können sie dazu beitragen, komplexe Probleme – von ökologischer Nachhaltigkeit bis zu organisatorischen Transformationsprozessen – zugleich verständlich, überprüfbar und kommunizierbar zu machen.

Das SynergyLab verdeutlichte damit, dass Kybernetik heute nicht nur historische Relevanz besitzt, sondern eine Vermittlungsdisziplin zwischen Wissenschaft, Praxis und Bildung bleibt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Vesters Vermächtnis, komplexe Systeme erfahrbar und diskussionsfähig zu machen, ist aktueller denn je.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Vesters und Forresters Ansätze verfolgen unterschiedliche, aber vereinbare Ziele: Lernen über Systemverhalten.
  • Systemdenken lebt von der Integration qualitativer und quantitativer Methoden.
  • Partizipation ist kein Beiwerk, sondern Teil der Modellbildung.
  • Vesters Sensitivitätsmodell eignet sich als Einstieg für komplexe Problemfelder in Bildung und Praxis.
  • Die Kombination beider Ansätze eröffnet Perspektiven für nachhaltige Entscheidungsprozesse.

Das nächste SynergyLab findet im Dezember 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Website und auf LinkedIn.

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📧 office@gws-kybernetik.org

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Welche Werkzeuge helfen wirklich, komplexe Systeme zu verstehen?

💬 „Ein Modell ist nur so stark wie das Verständnis, das es ermöglicht.
– Dr. Kristjan Ambroz beim 5. SynergyLab der GWS e.V.

Beim 5. SynergyLab am 24. September 2025 stellte Dr. Kristjan Ambroz seinen kybernetischen Werkzeugkasten vor – von Model of Systemic Control über Causal Loop-Diagramme bis hin zu groß angelegten System Dynamics-Modellen. Gemeinsam diskutierten wir Chancen, Grenzen und praktische Erfahrungen aus der Anwendung in Unternehmen.

Die diskutierten Aspekte umfassten u.a.:

🧠 Methodenvielfalt zwischen einfacher Übersicht und komplexen Großmodellen
💬 Partizipation als Schlüssel – Integration schafft kollektives Verständnis, bleibt aber ressourcenintensiv
🌐 Verständlichkeit entscheidet über Vertrauen und Akzeptanz im Management
📊 Kleine Modelle für Kommunikation, große Modelle für Prognosen – beides notwendig

📅 Das nächste SynergyLab findet im Oktober 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

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Wirkungsgefüge, Verantwortung und Systembewusstsein – Was Vester heute lehrt

Am 23. Juli 2025 fand das 4. SynergyLab der GWS e.V. statt – erneut ein Raum für reflektierten, interdisziplinären Austausch rund um kybernetisches Denken und kollektive Intelligenz. Diesmal stand das Werk des Systemdenkers Frederic Vester im Mittelpunkt, vorgestellt und eingeordnet von Prof. Dr. Falko Wilms (Hochschule Vorarlberg).

Vester – mehr als Matrixdenken

Unter dem Titel „Wirkungsgefüge, Einflussmatrix und Schlüsselvariablen – Was Vester anders macht als seine Nachahmer“ zeigte Wilms auf, worin die Besonderheit des Vester’schen Ansatzes liegt: Nicht nur das Tool (die bekannte Einflussmatrix), sondern die dahinterliegende kybernetische Haltung, das vernetzte Denken und die Verantwortungsperspektive stehen im Zentrum.

Zentrale Impulse:

  • Wirkungsgefüge machen nicht nur Strukturen sichtbar, sondern erklären funktionale Zusammenhänge.
  • Einflussmatrizen dienen nicht der Dekoration, sondern der systematischen Bewertung von Handlungsoptionen.
  • Schlüsselvariablen helfen, das Wesentliche zu erkennen: Was wirkt stark und ist beeinflussbar?
  • Vester dachte Kybernetik als Gestaltungslehre – gegen mechanistische Steuerungsfantasien.
  • Seine Methode setzt auf Verständigung, Transparenz und Beteiligung, nicht auf technokratische Modellierung.
  • Heutige „Systemtools“ greifen zwar Begriffe auf – aber oft ohne die reflexive Tiefe.
  • Die Diskussion zeigte: Vesters Denken ist hochaktuell – gerade in Zeiten komplexer Entscheidungsdilemmata.

Offenheit trifft Tiefe

Das 4. SynergyLab war geprägt von einer erkenntnisorientierten Diskussion – mit Teilnehmern aus Systemforschung, Praxisberatung und Organisationsentwicklung. Besonders intensiv wurde über die ethische Dimension systemischer Methoden gesprochen: Wie ermöglichen wir verantwortlichere Entscheidungen in komplexen Umwelten?

Systemisches Denken weiterdenken

Die GWS versteht die SynergyLabs als lebendige Orte der Verständigung – nicht über Theorien allein, sondern über ihre Bedeutung für die Welt, in der wir handeln. Das Werk von Frederik Vester bleibt dabei eine zentrale Inspirationsquelle.

📅 Das nächste SynergyLab findet im Herbst 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

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Narrative, Feedback und Steuerung – Kybernetik trifft Politikgestaltung

Am 25. Juni 2025 fand das 3. SynergyLab der GWS e.V. statt – ein offenes Gesprächsformat für alle, die systemisches Denken, kollektive Intelligenz und kybernetische Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen vertiefen möchten. Dieses Mal war Adrian Brozek (KU Leuven) als Impulsgeber zu Gast.

Politik als komplexes System – eine kybernetische Betrachtung

Unter dem Titel „Krieg, Klima, Krankenhausreform – Eine kybernetische Betrachtung politischer Wirklichkeitskonstruktion“ eröffnete Adrian Brozek einen tiefgehenden Dialog über den Zusammenhang zwischen Narrativen, Rückkopplungseffekten und politischer Steuerung. Dabei rückte er die Frage ins Zentrum, wie sich Wirklichkeit in politischen Prozessen durch Sprache, Kommunikation und institutionelle Reaktionen konstruiert – und welche Rolle kybernetisches Denken dabei spielen kann.

Zentrale Erkenntnisse des Abends:

  • Narrative wirken nicht beiläufig, sondern strukturieren politische Realität.
  • Rückkopplung geschieht sozial: durch Meinungsbildung, Medien, Wahlergebnisse, Protest.
  • Komplexe Systeme lassen sich nicht linear steuern – es braucht reflexive, adaptive Formen der Governance.
  • Kybernetische Begriffe wie „Beobachtung zweiter Ordnung“ oder „Systemgrenze“ sind hilfreich, um politische Dynamiken mehrdimensional zu verstehen.
  • Politik ist auch Kommunikation über Handlung – wer welche Geschichten erzählt, hat Einfluss.
  • Die Grenzen von Systemen entstehen durch Diskurse, Machtverhältnisse und Wahrnehmungen.
  • Politische Steuerung muss mit Unsicherheit, Verzögerung und unvollständigem Feedback umgehen.
  • Policy-Making ist kein Umsetzungsplan, sondern ein kontinuierlicher, diskursiver Prozess.

Reger Austausch im offenen Format

In der Diskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Perspektiven auf politische Wirklichkeit sind – von der politischen Praxis über Governance-Forschung bis hin zur Systemtheorie. Die Teilnehmenden diskutierten Fragen wie:

  • Was kann Kybernetik zur Beobachtung politischer Diskurse beitragen?
  • Wie lassen sich narrative Rückkopplungseffekte empirisch untersuchen?
  • Inwieweit sind klassische Steuerungsbilder heute noch tragfähig?

Dabei zeigte sich: Die Kybernetik bietet keinen festen Werkzeugkasten, sondern ein reflexives Denkmodell für komplexe gesellschaftliche Prozesse – mit hohem Potenzial für interdisziplinäre Kooperation.

Mehr erfahren & mitgestalten

Die SynergyLabs der GWS sind offen für alle, die systemische Ansätze in Gesellschaft, Politik und Organisationen weiterdenken möchten.
📅 Das nächste Lab findet am 23. Juli 2025 statt – mit neuen Impulsen und wieder Raum für Austausch, Perspektiven und Querdenken.

Weitere Informationen und Kontakt:
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Bildnachweis: Gedenkstunde zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 2025: Übersicht des Plenarsaals während der Begrüßungsansprache von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, CDU/CSU, MdB. Ort: Reichstagsgebäude, Plenarsaal, Berlin / Deutschland. Aufgenommen: 08. May 2025, 12:39 Uhr. Bildnummer: 5025248. Fotograf/in: Thomas Köhler / photothek. Dieses Bild darf für private und kommerzielle nicht-werbliche Zwecke genutzt werden. Die Verwendung des Bildes in sozialen Medien ist gestattet.

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Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt

Am 26. März 2025 fand das erste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS) e.V. statt. Mit diesem offenen Format schafft die GWS einen Raum für Reflexion, Dialog und systemisches Denken – interdisziplinär, praxisnah und diskursiv. Den Auftakt machte Dr. Sven-V. Rehm (CAIR Institute / WHU) mit einem Impuls über den systemtheoretischen Umgang mit dem Begriff der „Intelligenz“.

Intelligenz jenseits der Messbarkeit

Der Vortrag mit dem Titel „Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt“ warf einen kritischen Blick auf populäre Vorstellungen von Intelligenz – und darauf, wie kybernetische und systemische Ansätze eine differenziertere Perspektive ermöglichen. Statt Intelligenz als messbare Eigenschaft zu betrachten, wurde sie als dynamische Architektur von Mechanismen verstanden, die in sozialen, technischen oder biologischen Systemen wirksam werden.

Zentrale Denkimpulse:

  • Intelligenz ist kein „messbarer“ Stoff wie Masse – sondern eine Metapher für emergentes Verhalten.
  • Kybernetische Perspektiven begreifen Intelligenz als das Zusammenspiel von Mechanismen, nicht als monolithische Fähigkeit.
  • Anregungen von Minsky („Society of Mind“), Simon („Symbolsysteme“) und Friston („Active Inference“) zeigen, wie unterschiedliche Begriffsarchitekturen zu verschiedenen Verständnissen führen.
  • Intelligenz ist in der Kybernetik nicht unbedingt intentional, sondern kann sich auch aus Selbstorganisation und Rückkopplung ergeben.
  • Die Frage „Wie ermöglichen wir intelligentes Verhalten?“ ist systemisch zu beantworten – durch Gestaltung von Kommunikation, Koordination, Konsens und Gestaltung.

Auftakt zu einem neuen Format

Das erste SynergyLab wurde von den Teilnehmenden als inspirierender Einstieg in die neue Veranstaltungsreihe erlebt. Die Diskussion zeigte: Die Begriffe „Intelligenz“, „System“ und „Gestaltung“ müssen heute neu gedacht werden, wenn wir gesellschaftliche und technologische Entwicklungen verstehen und gestalten wollen.

Mehr erfahren & mitdenken

Die SynergyLabs bieten Impulsvorträge und offene Diskussionen rund um systemisches Denken, kollektive Intelligenz, Governance und digitale Transformation.
📅 Das nächste Lab findet am 30. April 2025 statt – mit neuen Perspektiven und wieder offenem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Weitere Informationen und Kontakt:

🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

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