Sven-Volker Rehm

Rückblick auf das 9. SynergyLab: Kybernetik in der Unternehmenssanierung

Am 20. Mai 2026 fand das 9. Online-Gespräch im Rahmen des SynergyLab – Forum für intelligente Organisation der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik e.V. statt. Mit 20 Teilnehmenden erreichte das Format wieder eine schöne Resonanz. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Dr. Werner Boysen zum Thema:

„Momente für kybernetische Überlegungen bei der Sanierung eines mittelständischen Automobilzulieferers“

Dr. Boysen stellte anhand eines konkreten Sanierungsprojekts bei der Carl Stahl Technical Webbings GmbH, einem Hersteller von Automotive-Sicherheitsgurtband mit Sitz in Herbrechtingen auf der Schwäbischen Alb, dar, wie kybernetisches und systemisches Denken in der Unternehmenspraxis wirksam werden kann. Das Unternehmen hatte er in den Jahren 2024/2025 in einem Restrukturierungs- und Transformationsprozess begleitet.

Kybernetik als praktische Führungs- und Denkdisziplin

Ein zentrales Anliegen des Vortrags war es, die verbreitete Annahme zu hinterfragen, Kybernetik sei vor allem eine abstrakte Wissenschaft ohne unmittelbaren Praxisbezug. Gerade in Restrukturierungs- und Transformationsprozessen, so wurde im Vortrag deutlich, zeigt sich der praktische Wert kybernetischer Perspektiven besonders klar: Viele Aktivitäten laufen parallel, bedingen sich gegenseitig, erzeugen Rückkopplungen und entfalten ihre Wirkungen oft zeitverzögert.

Dr. Boysen verdeutlichte, dass Unternehmenskrisen selten auf einzelne Ursachen zurückzuführen sind. Vielmehr entstehen sie häufig aus einem komplexen Zusammenspiel von Marktbedingungen, Eigentümerstrukturen, Finanzierungsfragen, Führungsverhalten, Kundenabhängigkeiten und organisationalen Routinen. Aus kybernetischer Sicht geht es daher nicht nur darum, einzelne Symptome zu behandeln, sondern die zugrunde liegenden Wirkungszusammenhänge zu erkennen.

Krisen als systemische Verflechtung

Im vorgestellten Fall wurde sichtbar, wie sich verschiedene Dynamiken gegenseitig verstärkten. Dazu gehörten unter anderem eine starke Abhängigkeit von einem Hauptkunden, eingeschränkte strategische Handlungsspielräume, eine blockierte Eigentümerstruktur sowie operative und finanzielle Belastungen. Diese Elemente wirkten nicht isoliert, sondern stabilisierten gemeinsam eine kritische Gesamtsituation.

Besonders anschaulich wurde, dass Organisationen in Krisen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kommunikativ und entscheidungsbezogen unter Druck geraten. Wenn Rückkopplungen fehlen, wenn strategischer Diskurs abbricht oder wenn Verantwortung zu stark zentralisiert wird, verliert eine Organisation zunehmend ihre Fähigkeit, sich selbst wirksam zu beobachten und anzupassen.

Feedback, Verantwortung und Handlungsspielräume

Ein wiederkehrendes Thema des Vortrags war die Bedeutung von Feedback. Stabilität entsteht in komplexen Organisationen nicht allein durch Kontrolle, Vorgaben oder Reporting, sondern durch lernfähige Rückkopplungsprozesse. Entscheidungen müssen auf ihre Wirkungen im Gesamtsystem hin beobachtet und angepasst werden können.

Damit verbunden war die Frage nach Verantwortung und Selbstorganisation. Dr. Boysen zeigte, dass in einer Sanierung nicht alles zentral gesteuert werden kann. Gerade wenn Führung zeitlich begrenzt, interimistisch oder unter hohem Druck erfolgt, müssen operative Verantwortung, Problemlösungskompetenz und Aufmerksamkeit für das Ganze breiter in der Organisation verteilt werden. Kybernetisch betrachtet entsteht Handlungsfähigkeit dort, wo relevante Informationen wahrgenommen, geteilt und in abgestimmtes Handeln übersetzt werden können.

Möglichkeiten erweitern statt nur Schäden begrenzen

Ein besonders prägnanter Gedanke des Vortrags war die Bezugnahme auf Heinz von Foersters Prinzip, so zu handeln, dass sich die Anzahl der Möglichkeiten erhöht. In einer Unternehmenskrise liegt der Fokus häufig auf Stabilisierung, Liquiditätssicherung und Risikobegrenzung. Der Vortrag zeigte jedoch, dass nachhaltige Sanierung auch bedeutet, neue Zukunftsoptionen aktiv zu erzeugen.

Im dargestellten Fall geschah dies unter anderem durch die Öffnung neuer Markt- und Kundenperspektiven. Damit wurde deutlich: Resilienz entsteht nicht nur durch Absicherung, sondern auch durch die Fähigkeit, neue Beziehungen, neue Sichtbarkeiten und neue Handlungsmöglichkeiten hervorzubringen.

Diskussion im SynergyLab

In der anschließenden Diskussion wurde die praktische Relevanz kybernetischer Ansätze von den Teilnehmenden breit aufgegriffen. Besonders hervorgehoben wurde, dass kybernetisches Denken in der Unternehmenspraxis häufig bereits wirksam ist, auch wenn es nicht ausdrücklich so bezeichnet wird. Begriffe wie Rückkopplung, Varietät, Abhängigkeit, Selbstorganisation, strategischer Diskurs und Resilienz erwiesen sich als hilfreiche Konzepte, um komplexe Transformationsprozesse besser zu verstehen.

Der Austausch machte zudem deutlich, dass Kybernetik für moderne Führungsfragen hochaktuell bleibt. In dynamischen Umwelten, unter Unsicherheit und bei hoher Stakeholder-Komplexität reicht lineares Planungs- und Steuerungsdenken nicht aus. Organisationen müssen vielmehr lernen, Wechselwirkungen zu erkennen, Rückmeldungen aufzunehmen, verschiedene Interessen zu moderieren und ihre eigenen Handlungsspielräume fortlaufend zu erweitern.

Fazit

Der Vortrag von Dr. Werner Boysen zeigte eindrucksvoll, dass Kybernetik keine theoretische Randdisziplin ist, sondern einen konkreten Orientierungsrahmen für Führung, Transformation und Unternehmenssanierung bieten kann. Gerade in Krisensituationen wird sichtbar, wie wichtig es ist, Organisationen als lebende soziale Systeme zu verstehen, die auf Rückkopplung, Anpassungsfähigkeit und koordinierte Verantwortung angewiesen sind.

Die GWS dankt Dr. Werner Boysen herzlich für den offenen und praxisnahen Einblick sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion. Der Abend hat erneut gezeigt, welches Potenzial im SynergyLab liegt: wissenschaftliche Konzepte, praktische Erfahrungen und gemeinsame Reflexion miteinander ins Gespräch zu bringen.

Das nächste SynergyLab wird am 17. Juni 2026 stattfinden. Weitere Informationen dazu finden Sie auf dieser Website.

Wiener-2001

Rückblick: Frederic Vester heute – Sensitivitätsmodell im Dialog

Das GWS-Online-Event „Frederic Vester heute“ brachte 32 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um die Aktualität und Weiterentwicklung von Vesters systemischem Denken zu diskutieren.

Im Zentrum stand das Sensitivitätsmodell als methodischer Zugang zur Analyse komplexer Systeme. In ihrer Keynote zeigte Gabriele Harrer-Puchner eindrücklich, wie das Modell in verschiedenen Anwendungsfeldern – insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit und Transformation – praktisch eingesetzt wird und welche Stärken es in der Strukturierung komplexer Zusammenhänge entfaltet.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Vesters Ansatz weiterhin eine wichtige Orientierungsfunktion erfüllt, zugleich aber auch Fragen nach methodischer Weiterentwicklung, empirischer Fundierung und Integration mit neueren Ansätzen (z. B. System Dynamics, simulationsbasierte Modelle) aufwirft. Die Beiträge von Thomas Göllinger, Falko Wilms und Andreas Größler erweiterten diese Perspektive um aktuelle theoretische und methodische Überlegungen.

Deutlich wurde insgesamt, dass das Sensitivitätsmodell weniger als abgeschlossenes Instrument zu verstehen ist, sondern als offene, anschlussfähige Denk- und Arbeitsweise, deren Potenzial insbesondere im Zusammenspiel mit heutigen Methoden liegt und die eine reflektierte Einbettung in konkrete Problemkontexte erfordert.

Das Event hat gezeigt, dass systemisches Denken im Sinne Vesters nichts an Relevanz verloren hat – im Gegenteil: Es bietet weiterhin eine tragfähige Grundlage, um mit der wachsenden Komplexität heutiger Entscheidungs- und Transformationsprozesse umzugehen.

Ein nächster Anlass zur Vertiefung systemischer und kybernetischer Perspektiven bietet sich bereits im Herbst: Am 24. September 2026 ist an der Universität Stuttgart ein Symposium anlässlich des 100. Geburtstages des Management-Kybernetikers Stafford Beer geplant.

Über weitere Veranstaltungen und Entwicklungen rund um systemisches Denken und Kybernetik halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Wiener-2001

Hermann Schmidt neu gelesen: Kybernetik zwischen Regelungstechnik und Philosophie

Rückblick auf das 8. SynergyLab vom 28. Januar 2026

Am 28. Januar 2026 fand das jüngste SynergyLab der GWS e.V. statt. Als Referent war Prof. Dr. Peter Trawny zu Gast, der in einem einführenden Vortrag das Werk Hermann Schmidts vorstellte – einer heute wenig bekannten, aber zentralen Figur der frühen Kybernetik in Deutschland. Insgesamt nahmen 25 Mitglieder und Gäste aus Wissenschaft und Praxis an der Online-Veranstaltung teil.

Von der Regelungstechnik zur Philosophie

Im Zentrum des Vortrags stand Schmidts intellektuelle Entwicklung: Ausgehend von ingenieurwissenschaftlichen Fragen der Regelungstechnik entwickelte Schmidt bereits ab den 1940er-Jahren einen erweiterten Begriff von Steuerung und Ordnung, der technische, gesellschaftliche und philosophische Dimensionen miteinander verband. Kybernetik erschien bei ihm nicht nur als technische Disziplin, sondern als umfassender Denkrahmen zur Beschreibung komplexer Systeme.

Prof. Trawny ordnete Schmidts Arbeiten historisch in die Diskussionen der 1950er- und 1960er-Jahre ein und zeigte, wie eng Schmidts Denken mit zeitgenössischen philosophischen Technikdebatten verknüpft war. Dabei wurde deutlich, dass Schmidt früh versuchte, technische Rationalität mit grundsätzlichen Fragen nach Sinn, Grenze und Verantwortung von Steuerung zu verbinden.

Zentrale Fragen der Diskussion

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, in der mehrere Themenstränge vertieft wurden. Ein wiederkehrender Punkt war das Spannungsverhältnis zwischen technischer Steuerbarkeit und gesellschaftlicher Offenheit. Diskutiert wurde, ob kybernetisches Denken eher zur Technokratisierung gesellschaftlicher Prozesse beiträgt – oder ob es im Gegenteil hilft, die Grenzen von Kontrolle und Planung sichtbar zu machen.

Ein weiterer Fokus lag auf dem Vergleich verschiedener kybernetischer Traditionen. Während angloamerikanische Ansätze häufig stärker formal und mathematisch ausgerichtet waren, wurde Schmidts Werk als besonders anschlussfähig an philosophische und kulturtheoretische Fragestellungen beschrieben. Diese besondere Position machte ihn für viele Teilnehmende zu einer spannenden Brückenfigur zwischen Ingenieurwissenschaft und Philosophie.

Aktualität kybernetischen Denkens

Mehrere Wortmeldungen stellten Bezüge zu aktuellen Entwicklungen her, etwa zu digitalen Plattformen, algorithmischen Entscheidungssystemen oder KI-gestützten Steuerungsmechanismen. Schmidts Überlegungen zur Regelung komplexer Systeme wurden dabei als erstaunlich vorausschauend wahrgenommen. Gerade vor dem Hintergrund heutiger Debatten um Automatisierung und künstliche Intelligenz zeigte sich, dass viele grundlegende Fragen bereits in der frühen Kybernetik angelegt waren.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass kybernetisches Denken heute oft nur implizit präsent ist. Begriffe wie Feedback, Selbstorganisation oder Systemstabilität werden selbstverständlich genutzt, ohne ihre theoretischen Ursprünge explizit zu reflektieren. Das SynergyLab machte sichtbar, welches Potenzial in einer bewussten Wiederaneignung dieser Tradition liegt.

Fazit

Das SynergyLab mit Prof. Peter Trawny zeigte, dass Hermann Schmidt weit mehr ist als eine historische Randfigur der Kybernetik. Sein Werk eröffnet Perspektiven auf Technik, Steuerung und Gesellschaft, die auch heute noch hoch relevant sind. Der Abend machte zugleich deutlich, dass kybernetisches Denken als reflexive Theorie komplexer Systeme neue Impulse für aktuelle Diskurse liefern kann – jenseits rein technischer Lösungslogiken.

Die GWS dankt Prof. Trawny herzlich für den anregenden Vortrag und allen Teilnehmenden für die intensive Diskussion. Weitere SynergyLabs sind bereits in Planung.

→ Hier geht’s zum SynergyLab.

Wiener-2001

Rückblick: Online-Event „100 Jahre Frederic Vester – Denken in vernetzten Wirkungsgefügen“

Am 28. November 2025 fand das GWS-Event zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Frederic Vester (1925–2003) statt. Rund 20 Teilnehmende – zur Hälfte Mitglieder der GWS und zur Hälfte externe Interessierte – nahmen an dieser Online-Veranstaltung teil, die dem Werk und der Aktualität dieses prägenden Systemdenkers gewidmet war.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der GWS, Dr. Sven-V. Rehm, der die GWS als Forum für systemisches und kybernetisches Denken vorstellte, eröffnete Prof. Dr. Thomas Göllinger (HTWG Konstanz) den Nachmittag mit einem Impulsvortrag zu Vesters Lebensweg und seinem Beitrag zur biologischen Kybernetik, zu Nachhaltigkeit und zu frühen Formen systemwissenschaftlicher Bildung. Er erinnerte an Vesters Rolle als Wissenschaftler, Filmemacher und Autor sowie an seine Pionierarbeit mit dem SBU-Institut in München .

Anschließend zeigte Prof. Dr. Falko Wilms (FHV Vorarlberg) die Bedeutung von Vesters Ansätzen für Entscheidungsprozesse in komplexen Situationen. Er erläuterte zentrale Elemente des Sensitivitätsmodells – von der Variablenliste bis zur Einflussmatrix – und diskutierte Optionen, dieses Modell stärker auf Maßnahmenentwicklung auszurichten und bei Bedarf auch ohne Simulation nutzbar zu machen.

In einer kurzen interaktiven Umfrage zeigte sich, dass zwar über 80% der Teilnehmenden vernetztes Denken als wichtigsten Bezugspunkt zu Vester sehen, während etwa ein Fünftel angaben, ihm bislang kaum begegnet zu sein. Anschließend stellte Thomas Göllinger den neuen Jubiläumsband „Systemisch-vernetztes Denken und Sustainability-Transformation“ (Springer, 2025) vor.

Die abschließende Diskussion thematisierte unter anderem die Rolle systemischen Denkens in der Bildung, die Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie Grenzen und Potenziale partizipativer Modellierungsprozesse. Beiträge von Prof. Dr. Schwaninger (Univ. St. Gallen) und weiteren Teilnehmenden hoben hervor, dass systemisches Denken eine Haltung sei, die weit über technische Werkzeuge hinausreiche und gerade in Transformationskontexten wichtige Orientierung biete .

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Thomas Göllinger und Prof. Dr. Falko Wilms für ihre Impulsvorträge und Beiträge sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Interesse, ihre Fragen und die anregende Diskussion. Die Vielfalt der Perspektiven hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig und relevant Vesters Denken auch heute noch ist.

Wir laden Sie schon jetzt herzlich ein, auch beim Folge-Event im Frühjahr 2026 dabei zu sein, in dem wir die Anwendung und Weiterentwicklung des Sensitivitätsmodells in Forschung und Praxis weiter vertiefen werden.
Weitere Informationen folgen in Kürze auf dieser Website und über unsere LinkedIn-Kanäle.

Wiener-2001

6. SynergyLab der GWS e.V. – Zwei Wege zur Systemanalyse: Frederic Vester und System Dynamics

Am 29. Oktober 2025 fand das sechste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS e.V.) statt. Im Zentrum stand ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) unter dem Titel „Zwei Wege zur Systemanalyse – Frederic Vester und System Dynamics“. Die Diskussion wurde moderiert von Dr. Sven-Volker Rehm.

Prof. Größler stellte in seinem Vortrag die beiden prägenden Ansätze systemischer Analyse gegenüber – das kybernetische Denken Frederic Vesters und die System Dynamics-Methode nach Jay W. Forrester. Beide beruhen auf der Idee zirkulärer Kausalität, unterscheiden sich jedoch in Formalisierungsgrad, Anwendungsfokus und Zugang zur Verständigung über komplexe Systeme.

Vester zielte auf qualitative und anschauliche Zugänge zur Systembetrachtung ab. Seine Sensitivitätsmodelle fördern das gemeinsame Nachdenken über Zusammenhänge und Rückkopplungen – insbesondere in interdisziplinären Gruppen. System Dynamics hingegen bietet einen quantitativen, experimentellen Zugang, um Hypothesen über Systemverhalten zu prüfen und Politikmaßnahmen zu simulieren.

In der Diskussion zeigte sich, dass beide Ansätze komplementär sind. Vesters Methoden ermöglichen Verständigung und Beteiligung, System Dynamics vertieft die analytische Durchdringung. Zusammen können sie dazu beitragen, komplexe Probleme – von ökologischer Nachhaltigkeit bis zu organisatorischen Transformationsprozessen – zugleich verständlich, überprüfbar und kommunizierbar zu machen.

Das SynergyLab verdeutlichte damit, dass Kybernetik heute nicht nur historische Relevanz besitzt, sondern eine Vermittlungsdisziplin zwischen Wissenschaft, Praxis und Bildung bleibt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Vesters Vermächtnis, komplexe Systeme erfahrbar und diskussionsfähig zu machen, ist aktueller denn je.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Vesters und Forresters Ansätze verfolgen unterschiedliche, aber vereinbare Ziele: Lernen über Systemverhalten.
  • Systemdenken lebt von der Integration qualitativer und quantitativer Methoden.
  • Partizipation ist kein Beiwerk, sondern Teil der Modellbildung.
  • Vesters Sensitivitätsmodell eignet sich als Einstieg für komplexe Problemfelder in Bildung und Praxis.
  • Die Kombination beider Ansätze eröffnet Perspektiven für nachhaltige Entscheidungsprozesse.

Das nächste SynergyLab findet im Dezember 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Website und auf LinkedIn.

Weitere Informationen und Kontakt:
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Wiener-2001

Welche Werkzeuge helfen wirklich, komplexe Systeme zu verstehen?

💬 „Ein Modell ist nur so stark wie das Verständnis, das es ermöglicht.
– Dr. Kristjan Ambroz beim 5. SynergyLab der GWS e.V.

Beim 5. SynergyLab am 24. September 2025 stellte Dr. Kristjan Ambroz seinen kybernetischen Werkzeugkasten vor – von Model of Systemic Control über Causal Loop-Diagramme bis hin zu groß angelegten System Dynamics-Modellen. Gemeinsam diskutierten wir Chancen, Grenzen und praktische Erfahrungen aus der Anwendung in Unternehmen.

Die diskutierten Aspekte umfassten u.a.:

🧠 Methodenvielfalt zwischen einfacher Übersicht und komplexen Großmodellen
💬 Partizipation als Schlüssel – Integration schafft kollektives Verständnis, bleibt aber ressourcenintensiv
🌐 Verständlichkeit entscheidet über Vertrauen und Akzeptanz im Management
📊 Kleine Modelle für Kommunikation, große Modelle für Prognosen – beides notwendig

📅 Das nächste SynergyLab findet im Oktober 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

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Wiener-2001

Wirkungsgefüge, Verantwortung und Systembewusstsein – Was Vester heute lehrt

Am 23. Juli 2025 fand das 4. SynergyLab der GWS e.V. statt – erneut ein Raum für reflektierten, interdisziplinären Austausch rund um kybernetisches Denken und kollektive Intelligenz. Diesmal stand das Werk des Systemdenkers Frederic Vester im Mittelpunkt, vorgestellt und eingeordnet von Prof. Dr. Falko Wilms (Hochschule Vorarlberg).

Vester – mehr als Matrixdenken

Unter dem Titel „Wirkungsgefüge, Einflussmatrix und Schlüsselvariablen – Was Vester anders macht als seine Nachahmer“ zeigte Wilms auf, worin die Besonderheit des Vester’schen Ansatzes liegt: Nicht nur das Tool (die bekannte Einflussmatrix), sondern die dahinterliegende kybernetische Haltung, das vernetzte Denken und die Verantwortungsperspektive stehen im Zentrum.

Zentrale Impulse:

  • Wirkungsgefüge machen nicht nur Strukturen sichtbar, sondern erklären funktionale Zusammenhänge.
  • Einflussmatrizen dienen nicht der Dekoration, sondern der systematischen Bewertung von Handlungsoptionen.
  • Schlüsselvariablen helfen, das Wesentliche zu erkennen: Was wirkt stark und ist beeinflussbar?
  • Vester dachte Kybernetik als Gestaltungslehre – gegen mechanistische Steuerungsfantasien.
  • Seine Methode setzt auf Verständigung, Transparenz und Beteiligung, nicht auf technokratische Modellierung.
  • Heutige „Systemtools“ greifen zwar Begriffe auf – aber oft ohne die reflexive Tiefe.
  • Die Diskussion zeigte: Vesters Denken ist hochaktuell – gerade in Zeiten komplexer Entscheidungsdilemmata.

Offenheit trifft Tiefe

Das 4. SynergyLab war geprägt von einer erkenntnisorientierten Diskussion – mit Teilnehmern aus Systemforschung, Praxisberatung und Organisationsentwicklung. Besonders intensiv wurde über die ethische Dimension systemischer Methoden gesprochen: Wie ermöglichen wir verantwortlichere Entscheidungen in komplexen Umwelten?

Systemisches Denken weiterdenken

Die GWS versteht die SynergyLabs als lebendige Orte der Verständigung – nicht über Theorien allein, sondern über ihre Bedeutung für die Welt, in der wir handeln. Das Werk von Frederik Vester bleibt dabei eine zentrale Inspirationsquelle.

📅 Das nächste SynergyLab findet im Herbst 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

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Wiener-2001

Narrative, Feedback und Steuerung – Kybernetik trifft Politikgestaltung

Am 25. Juni 2025 fand das 3. SynergyLab der GWS e.V. statt – ein offenes Gesprächsformat für alle, die systemisches Denken, kollektive Intelligenz und kybernetische Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen vertiefen möchten. Dieses Mal war Adrian Brozek (KU Leuven) als Impulsgeber zu Gast.

Politik als komplexes System – eine kybernetische Betrachtung

Unter dem Titel „Krieg, Klima, Krankenhausreform – Eine kybernetische Betrachtung politischer Wirklichkeitskonstruktion“ eröffnete Adrian Brozek einen tiefgehenden Dialog über den Zusammenhang zwischen Narrativen, Rückkopplungseffekten und politischer Steuerung. Dabei rückte er die Frage ins Zentrum, wie sich Wirklichkeit in politischen Prozessen durch Sprache, Kommunikation und institutionelle Reaktionen konstruiert – und welche Rolle kybernetisches Denken dabei spielen kann.

Zentrale Erkenntnisse des Abends:

  • Narrative wirken nicht beiläufig, sondern strukturieren politische Realität.
  • Rückkopplung geschieht sozial: durch Meinungsbildung, Medien, Wahlergebnisse, Protest.
  • Komplexe Systeme lassen sich nicht linear steuern – es braucht reflexive, adaptive Formen der Governance.
  • Kybernetische Begriffe wie „Beobachtung zweiter Ordnung“ oder „Systemgrenze“ sind hilfreich, um politische Dynamiken mehrdimensional zu verstehen.
  • Politik ist auch Kommunikation über Handlung – wer welche Geschichten erzählt, hat Einfluss.
  • Die Grenzen von Systemen entstehen durch Diskurse, Machtverhältnisse und Wahrnehmungen.
  • Politische Steuerung muss mit Unsicherheit, Verzögerung und unvollständigem Feedback umgehen.
  • Policy-Making ist kein Umsetzungsplan, sondern ein kontinuierlicher, diskursiver Prozess.

Reger Austausch im offenen Format

In der Diskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Perspektiven auf politische Wirklichkeit sind – von der politischen Praxis über Governance-Forschung bis hin zur Systemtheorie. Die Teilnehmenden diskutierten Fragen wie:

  • Was kann Kybernetik zur Beobachtung politischer Diskurse beitragen?
  • Wie lassen sich narrative Rückkopplungseffekte empirisch untersuchen?
  • Inwieweit sind klassische Steuerungsbilder heute noch tragfähig?

Dabei zeigte sich: Die Kybernetik bietet keinen festen Werkzeugkasten, sondern ein reflexives Denkmodell für komplexe gesellschaftliche Prozesse – mit hohem Potenzial für interdisziplinäre Kooperation.

Mehr erfahren & mitgestalten

Die SynergyLabs der GWS sind offen für alle, die systemische Ansätze in Gesellschaft, Politik und Organisationen weiterdenken möchten.
📅 Das nächste Lab findet am 23. Juli 2025 statt – mit neuen Impulsen und wieder Raum für Austausch, Perspektiven und Querdenken.

Weitere Informationen und Kontakt:
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Bildnachweis: Gedenkstunde zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 2025: Übersicht des Plenarsaals während der Begrüßungsansprache von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, CDU/CSU, MdB. Ort: Reichstagsgebäude, Plenarsaal, Berlin / Deutschland. Aufgenommen: 08. May 2025, 12:39 Uhr. Bildnummer: 5025248. Fotograf/in: Thomas Köhler / photothek. Dieses Bild darf für private und kommerzielle nicht-werbliche Zwecke genutzt werden. Die Verwendung des Bildes in sozialen Medien ist gestattet.

Sven-Volker Rehm

Zielkonflikte in der Modellierung – Wie genau ist genau genug? Das 2. SynergyLab der GWS e.V.

13 Teilnehmende aus Wissenschaft, Beratung und Praxis diskutierten im Rahmen des GWS-SynergyLab am 30. April 2025 über zentrale Spannungsfelder in der dynamischen Modellierung von Organisationen. Ausgangspunkt war ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Größler (Universität Stuttgart) mit dem Titel:
„Lieber nicht so genau und dafür relevant? Zielkonflikte der dynamischen Modellierung in Organisationen“

Relevanz schlägt Genauigkeit?

Prof. Größler stellte die These zur Diskussion, dass Modelle nicht zwangsläufig „richtig“ sein müssen, um nützlich zu sein. Organisationale Modelle, etwa im Bereich strategischer Planung oder Policy Design, müssen oft komplexe Zusammenhänge verständlich machen – nicht bis ins letzte Detail abbilden. Dies führt zu einem grundlegenden Zielkonflikt:
Wie genau darf ein Modell sein, bevor es zu unverständlich wird – und wie ungenau darf es sein, um noch als relevant zu gelten?

Kernthemen der Diskussion

In der anschließenden offenen Gesprächsrunde wurden zahlreiche Aspekte aufgegriffen – aus methodischer, praktischer und erkenntnistheoretischer Sicht:

  • 🔄 Zielkonflikte: Modelle müssen für Entscheidungen relevant sein, aber auch nachvollziehbar bleiben. Zu viel Präzision kann abschrecken.
  • 🧠 Lernen statt Vorhersagen: Simulationen entfalten ihren größten Wert, wenn sie Verständnis fördern, nicht wenn sie exakte Prognosen liefern.
  • 👥 Beteiligung und Akzeptanz: Modellnutzung hängt stark davon ab, ob Stakeholder im Erstellungsprozess einbezogen wurden.
  • 🧩 Komplexitätsreduktion: Modelle sind immer Vereinfachungen. Die Kunst liegt darin, das Relevante zu erfassen und das Irritierende wegzulassen.
  • 🧾 Validität neu denken: Ein Modell kann auch dann nützlich sein, wenn es nicht vollständig datengestützt ist – solange es plausibel, transparent und anschlussfähig ist.

Warum dieses Gespräch wertvoll war

Die GWS versteht das SynergyLab als Denkraum: Hier treffen Menschen zusammen, die systemisches Denken nicht nur anwenden, sondern auch hinterfragen und weiterentwickeln wollen. Diese Veranstaltung zeigte eindrucksvoll:

  • wie stark Theorie und Praxis voneinander profitieren können,
  • wie produktiv das Ringen um Verständlichkeit und Wirkung ist,
  • und wie wichtig es ist, gemeinsam mit Unsicherheiten umzugehen, statt sie zu verstecken.

Interesse geweckt?

Das Thema bleibt aktuell – in der Wissenschaft, in der digitalen Transformation und in der Gestaltung von Organisationen und Politik.
📧 Kontakt: office@gws-kybernetik.org
🔗 Weitere Veranstaltungen unter: gws-kybernetik.org und synergylab.space

Wiener-2001

Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt

Am 26. März 2025 fand das erste SynergyLab der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialkybernetik (GWS) e.V. statt. Mit diesem offenen Format schafft die GWS einen Raum für Reflexion, Dialog und systemisches Denken – interdisziplinär, praxisnah und diskursiv. Den Auftakt machte Dr. Sven-V. Rehm (CAIR Institute / WHU) mit einem Impuls über den systemtheoretischen Umgang mit dem Begriff der „Intelligenz“.

Intelligenz jenseits der Messbarkeit

Der Vortrag mit dem Titel „Mensch vs. Maschine? Warum die Kybernetik Intelligenz anders denkt“ warf einen kritischen Blick auf populäre Vorstellungen von Intelligenz – und darauf, wie kybernetische und systemische Ansätze eine differenziertere Perspektive ermöglichen. Statt Intelligenz als messbare Eigenschaft zu betrachten, wurde sie als dynamische Architektur von Mechanismen verstanden, die in sozialen, technischen oder biologischen Systemen wirksam werden.

Zentrale Denkimpulse:

  • Intelligenz ist kein „messbarer“ Stoff wie Masse – sondern eine Metapher für emergentes Verhalten.
  • Kybernetische Perspektiven begreifen Intelligenz als das Zusammenspiel von Mechanismen, nicht als monolithische Fähigkeit.
  • Anregungen von Minsky („Society of Mind“), Simon („Symbolsysteme“) und Friston („Active Inference“) zeigen, wie unterschiedliche Begriffsarchitekturen zu verschiedenen Verständnissen führen.
  • Intelligenz ist in der Kybernetik nicht unbedingt intentional, sondern kann sich auch aus Selbstorganisation und Rückkopplung ergeben.
  • Die Frage „Wie ermöglichen wir intelligentes Verhalten?“ ist systemisch zu beantworten – durch Gestaltung von Kommunikation, Koordination, Konsens und Gestaltung.

Auftakt zu einem neuen Format

Das erste SynergyLab wurde von den Teilnehmenden als inspirierender Einstieg in die neue Veranstaltungsreihe erlebt. Die Diskussion zeigte: Die Begriffe „Intelligenz“, „System“ und „Gestaltung“ müssen heute neu gedacht werden, wenn wir gesellschaftliche und technologische Entwicklungen verstehen und gestalten wollen.

Mehr erfahren & mitdenken

Die SynergyLabs bieten Impulsvorträge und offene Diskussionen rund um systemisches Denken, kollektive Intelligenz, Governance und digitale Transformation.
📅 Das nächste Lab findet am 30. April 2025 statt – mit neuen Perspektiven und wieder offenem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Weitere Informationen und Kontakt:

🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

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