Wiener-2001

Rückblick auf das 10. SynergyLab: Systems Thinking praktisch erfahrbar machen

Am 17. Juni fand das 10. Online-Gespräch im Rahmen des SynergyLab – Forum für intelligente Organisation der GWS statt. Zu Gast war Dr. Christian Baron, der in einer interaktiven Session sein neues Buch Methods for Systems Thinking – 65+ Practical Approaches for Exploring Systems, Perspectives and Complexity vorstellte. Insgesamt nahmen 17 Personen an dem Austausch teil.

Im Zentrum des Impulses stand die Frage, wie systemisches Denken nicht nur theoretisch vermittelt, sondern in Organisationen, Beratung, Lehre und Führung praktisch erfahrbar gemacht werden kann. Dr. Baron stellte sein Buch als praxisorientiertes Arbeitsbuch vor, das über 65 Methoden bündelt und diese entlang der 5M-Struktur ordnet: Motivate, Meet, Map, Make und Manage. Diese Struktur ist nicht als starres Prozessmodell zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe, um je nach Situation, Zielgruppe und Problemstellung geeignete Methoden auszuwählen.

Besonders anschaulich wurde der Zugang durch eine kleine Perspektivübung zu Beginn: Je nachdem, aus welcher Richtung eine Bewegung betrachtet wird, erscheint sie unterschiedlich. Die Übung machte unmittelbar deutlich, dass Wahrnehmungen häufig perspektivisch bedingt sind. Für systemisches Arbeiten ist dies zentral: Es geht nicht nur darum, „richtige“ Lösungen zu finden, sondern zunächst unterschiedliche Sichtweisen, Deutungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem das Zusammenspiel von systemischem und systematischen Vorgehen hervorgehoben. Systemisches Denken erweitert die Perspektive: Es verändert die Art und Weise, wie Situationen verstanden werden – weg von linearen Ursache-Wirkungs-Zuschreibungen hin zu Mustern, Rückkopplungen, Kontexten und wechselseitigen Abhängigkeiten. Das schrittweise systematische Durchlaufen von Methoden hilft dabei, diese Komplexität zu strukturieren, kognitive Belastung zu reduzieren – und damit Prinzipien systemischen Denkens leichter zugänglich zu machen. Gerade dieses Zusammenspiel erwies sich als wichtiger Diskussionspunkt, auch mit Blick auf ingenieurwissenschaftliche, organisationale und kybernetische Perspektiven.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Methoden in realen Organisationen wirksam werden können. Dr. Baron betonte, dass Menschen nicht zum systemischen Denken gezwungen werden können. Methoden können jedoch Räume öffnen, Irritationen ermöglichen, Perspektivwechsel anstoßen und gemeinsame Reflexion unterstützen. Dafür braucht es passende Rahmung, ein gutes Gespür für Gruppendynamik und sichere Lernräume, in denen Teilnehmende sich auf neue Formen des Denkens und Sprechens einlassen können.

Das SynergyLab zeigte damit sehr deutlich, dass kybernetische und systemische Ansätze für ihre praktische Verbreitung beides benötigen: anschlussfähige Methoden, die Menschen in konkreten Situationen nutzen können, und zugleich begriffliche Klarheit über die tieferliegenden Denkweisen, die durch diese Methoden angeregt werden sollen. Der Austausch mit Dr. Christian Baron machte sichtbar, wie wertvoll methodische Zugänge sein können, wenn sie nicht mechanisch verstanden werden, sondern als Einladungen zu Beobachtung, Reflexion und gemeinsamer Sinnbildung.

Wir danken Dr. Christian Baron herzlich für seinen Impuls und allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion.

Website zum Buch: methodsforsystemsthinking.com

Das nächste SynergyLab ist für den 29. Juli 2026 geplant. GWS-Mitglied Frau C. Ritzinger-Roll wird dann einen Vortrag im Kontext des Viable System Model halten.

Mehr Informationen auf der SynergyLab-Webseite: synergylab.space

Wiener-2001

Welche Werkzeuge helfen wirklich, komplexe Systeme zu verstehen?

💬 „Ein Modell ist nur so stark wie das Verständnis, das es ermöglicht.
– Dr. Kristjan Ambroz beim 5. SynergyLab der GWS e.V.

Beim 5. SynergyLab am 24. September 2025 stellte Dr. Kristjan Ambroz seinen kybernetischen Werkzeugkasten vor – von Model of Systemic Control über Causal Loop-Diagramme bis hin zu groß angelegten System Dynamics-Modellen. Gemeinsam diskutierten wir Chancen, Grenzen und praktische Erfahrungen aus der Anwendung in Unternehmen.

Die diskutierten Aspekte umfassten u.a.:

🧠 Methodenvielfalt zwischen einfacher Übersicht und komplexen Großmodellen
💬 Partizipation als Schlüssel – Integration schafft kollektives Verständnis, bleibt aber ressourcenintensiv
🌐 Verständlichkeit entscheidet über Vertrauen und Akzeptanz im Management
📊 Kleine Modelle für Kommunikation, große Modelle für Prognosen – beides notwendig

📅 Das nächste SynergyLab findet im Oktober 2025 statt – mit neuem Impuls, neuer Perspektive, neuer Gelegenheit zum Weiterdenken.

Weitere Informationen und Kontakt:
🔗 synergylab.space
📧 office@gws-kybernetik.org

Cookie Consent mit Real Cookie Banner