Am 17. Juni fand das 10. Online-Gespräch im Rahmen des SynergyLab – Forum für intelligente Organisation der GWS statt. Zu Gast war Dr. Christian Baron, der in einer interaktiven Session sein neues Buch Methods for Systems Thinking – 65+ Practical Approaches for Exploring Systems, Perspectives and Complexity vorstellte. Insgesamt nahmen 17 Personen an dem Austausch teil.
Im Zentrum des Impulses stand die Frage, wie systemisches Denken nicht nur theoretisch vermittelt, sondern in Organisationen, Beratung, Lehre und Führung praktisch erfahrbar gemacht werden kann. Dr. Baron stellte sein Buch als praxisorientiertes Arbeitsbuch vor, das über 65 Methoden bündelt und diese entlang der 5M-Struktur ordnet: Motivate, Meet, Map, Make und Manage. Diese Struktur ist nicht als starres Prozessmodell zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe, um je nach Situation, Zielgruppe und Problemstellung geeignete Methoden auszuwählen.
Besonders anschaulich wurde der Zugang durch eine kleine Perspektivübung zu Beginn: Je nachdem, aus welcher Richtung eine Bewegung betrachtet wird, erscheint sie unterschiedlich. Die Übung machte unmittelbar deutlich, dass Wahrnehmungen häufig perspektivisch bedingt sind. Für systemisches Arbeiten ist dies zentral: Es geht nicht nur darum, „richtige“ Lösungen zu finden, sondern zunächst unterschiedliche Sichtweisen, Deutungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen.
In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Spannung zwischen systematischem und systemischem Vorgehen hervorgehoben. Systematische Methoden helfen, Komplexität zu strukturieren und kognitive Belastung zu reduzieren. Systemisches Denken geht jedoch darüber hinaus: Es verändert die Art und Weise, wie Situationen verstanden werden – weg von linearen Ursache-Wirkungs-Zuschreibungen hin zu Mustern, Rückkopplungen, Kontexten und wechselseitigen Abhängigkeiten. Gerade diese Unterscheidung erwies sich als wichtiger Diskussionspunkt, auch mit Blick auf ingenieurwissenschaftliche, organisationale und kybernetische Perspektiven.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Methoden in realen Organisationen wirksam werden können. Dr. Baron betonte, dass Menschen nicht zum systemischen Denken gezwungen werden können. Methoden können jedoch Räume öffnen, Irritationen ermöglichen, Perspektivwechsel anstoßen und gemeinsame Reflexion unterstützen. Dafür braucht es passende Rahmung, ein gutes Gespür für Gruppendynamik und sichere Lernräume, in denen Teilnehmende sich auf neue Formen des Denkens und Sprechens einlassen können.
Das SynergyLab zeigte damit sehr deutlich, dass kybernetische und systemische Ansätze für ihre praktische Verbreitung beides benötigen: anschlussfähige Methoden, die Menschen in konkreten Situationen nutzen können, und zugleich begriffliche Klarheit über die tieferliegenden Denkweisen, die durch diese Methoden angeregt werden sollen. Der Austausch mit Dr. Christian Baron machte sichtbar, wie wertvoll methodische Zugänge sein können, wenn sie nicht mechanisch verstanden werden, sondern als Einladungen zu Beobachtung, Reflexion und gemeinsamer Sinnbildung.
Wir danken Dr. Christian Baron herzlich für seinen Impuls und allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion.
Das nächste SynergyLab ist für den 29. Juli 2026 geplant. GWS-Mitglied Frau C. Ritzinger-Roll wird dann einen Vortrag im Kontext des Viable System Model halten.
Mehr Informationen auf der SynergyLab-Webseite: synergylab.space



